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Ist das Liebe oder kann das weg?

Ist das Liebe oder kann das weg?

Martin Vorländer
Ein Beitrag von

Martin Vorländer,

Evangelischer Pfarrer und Theologischer Redakteur im Medienhaus Frankfurt

„Du bist mein, ich bin dein. Dessen sollst du gewiss sein. Du bist beschlossen in meinem Herzen. Verloren ging das Schlüsselein. Du musst immer darinnen sein.“ So geht ein Liebesgedicht aus dem Mittelalter. Die einen finden das unglaublich romantisch. Den anderen schaudert es. Liebe, die den anderen besitzen will, die ihn oder sie auf immer und ewig einschließt. Hilfe – nichts wie weg!

So zumindest sieht das eine Künstlergruppe namens „Frankfurter Hauptschule“. Das sind zehn anonyme Künstler, die sagen: Die Liebesschlösser an Brücken „finden wir widerlich und bekämpfenswert“. Ein Vorhängeschloss sei kein Zeichen für Zuneigung. Da gehe es nicht um Liebe, sondern um Besitz. „Moderne Keuschheitsgürtel“, so nennen sie die Liebesschlösser. Für jedes entfernte Schloss zahlen sie einen Euro. Gut 200 Schlösser haben sie bereits eingesammelt.

Hand aufs Herz – natürlich steckt in der Liebe immer auch ein Quäntchen Besitzanspruch. Besonders wenn man frisch verliebt ist, will man am liebsten alles von dem anderen haben. Und ist selig, wenn es dem umgekehrt genauso geht. „Du sollst keine anderen haben neben mir“, sagt in der Bibel sogar Gott von sich selbst. (2. Mose 20,3)

Aber sich in der Liebe hinzugeben, heißt doch nicht, sich selber völlig aufzugeben. Auch Paare, die sich innig lieben, leben nicht dauernd im Wir-Modus. Beide entwickeln sich und mit ihnen ihre Liebe. Die Liebe kommt auch mal in die Krise und taucht, wenn es gut geht, in neuer Form wieder auf.

Nach einer neuen Form für die abgesägten Liebesschlösser sucht auch die Frankfurter Künstlergruppe. Sie will sie nicht einfach wegwerfen, sondern einschmelzen und daraus eine Skulptur gießen. Wie die aussieht, bleibt noch bis zum 18. August geheim. Dann will die Künstlergruppe das neue Objekt der Liebe ausstellen.

Sie bestimmt also darüber, welche Form die Liebesbeweise anderer Leute bekommen. Ich finde besser, jedes Paar sucht selbst, welches Zeichen für seine Liebe stimmt. Die Bibel würde sagen: Die Liebe wird anders. Aber sie hört niemals auf. (1. Korinther 13,8)

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