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Gott und das Schneechaos
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Gott und das Schneechaos

Judith Vonderau
Ein Beitrag von

Judith Vonderau,

Autorin bei "kirche im hr", Fulda
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Diese Woche war etwas ganz anders. Mein Alltag hat sich nicht mehr nur um Corona gedreht: Denn diese Woche war Schneechaos. Und das hat meine Planungen ganz schön durcheinandergebracht. Warum das nicht nur schlecht war?

Seit einem Jahr dreht sich alles um Corona. Hohe Fallzahlen, Lockdown, Lockerungen – und alles wieder von vorn. Das strengt an und inzwischen mag ich nicht mehr. Meine Gedanken drehen sich nur noch um dieses eine Thema und ich wünsche mir so sehr, dass es endlich vorbei ist. Ich will endlich wieder normal leben. Vor lauter Corona-Pandemie kann ich gar nichts anderes mehr wahrnehmen.

Der Wintereinbruch hat mich aus meinem grauen Alltag gerissen. Corona wurde über Nacht zur Nebensache. Jetzt waren andere Dinge wichtig: Schnee räumen, Heizung am Laufen halten und den Tag umorganisieren, weil Autofahren plötzlich unmöglich war. Das war anstrengend: Noch etwas, das ich gerade gar nicht gebrauchen kann.

Aber jetzt – am Ende dieser Woche – bin ich froh über dieses Schneechaos. Es hat mich herausgerissen aus meinen Gedanken, die sich nur noch um ein leidiges Thema gedreht haben. Ich habe erfahren: Da ist noch mehr. Es gibt Dinge, die die Corona-Sorgen in den Hintergrund rücken. Ein unerwartetes Schneechaos zum Beispiel. Ich muss nur genau hinschauen. Denn in dieser verschneiten Woche gab es sehr schöne Momente: die Spaziergänge in einer Bilderbuch-Winterlandschaft, der strahlende Sonnenschein und der heiße Tee beim nach Hause kommen.

Im übertragenen Sinne ist manchmal Gott mein Schneechaos. Wenn sich meine Gedanken nur noch um mich drehen. Wenn ich den ganzen Tag versuche, meine Probleme zu lösen. Wenn ich kein Ende sehe. Dann passiert etwas Göttliches, das mich herausreißt aus dem Gedankenkarussell. Das kann ein Gespräch sein, eine Liedzeile oder ein Ereignis, das mir zeigt: Hey, schau mal, das Leben ist viel mehr als das, was du gerade siehst. Es ist, als würde Gott sagen: "Schau mal hoch, schau mich an. Dann siehst du mehr."

Es gibt ein Kirchenlied, das mich genau daran erinnert. Es heißt "Richtet die Augen auf zum Herrn". Aufschauen und Gott sehen. Das will ich gerne öfter tun. Machen Sie mit?

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