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Gelassenheit

Gelassenheit

Uwe Groß
Ein Beitrag von

Uwe Groß,

Katholischer Diakon, Pfarrei St. Peter und Paul, Wiesbaden
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„Nur für heute werde ich mich bemühen,“ so beginnen zehn Sätze vom früheren Papst Johannes XXIII., der vor über 50 Jahren gestorben ist. „Nur für heute werde ich mich bemühen, den Tag zu erleben, ohne die Probleme meines Lebens auf einmal lösen zu wollen“. Das ist der erste Satz und für mich ein ganz wichtiger.

Ich kenne das Gefühl: Ich schreibe mir eine To-do Liste, über all das, was ich am nächsten Tag abarbeiten will: den einen anrufen, einem anderen eine Mail schicken, für den noch das kaufen und auf keinen Fall vergessen, noch etwas wichtiges abzuholen. Aber dann kommt am nächsten Tag alles ganz anders. Einer aus der Familie ist krank geworden, und mein ganzes Programm, kann nicht gar nicht abarbeiten, weil ich einspringen muss und Dinge erledigen, die ich gar nicht vorgesehen hatte. Dann hilft mir dieser Satz: „Nur für heute werde ich mich bemühen, den Tag zu erleben, ohne die Probleme meines Lebens auf einmal lösen zu wollen.“ Und das kommt gar nicht so selten vor, dass ich mir zu lange To Do Listen schreibe. Meistens merke ich dann aber auch: Es ist gar nicht so schlimm, wenn ich nicht alle Dinge erledigen kann, die meisten Aufgaben können auch noch am nächsten Tag erledigt werden.

Ein anderer Satz von Johannes XXIII. geht so: „Nur für heute werde ich zehn Minuten Zeit einer guten Lektüre widmen; denn wie die Nahrung notwendig ist für das Leben des Leibes, so ist gute Lektüre notwendig für das Leben der Seele.“

Diesen Satz finde ich für mich richtig wichtig. Er heißt für mich: Lass keinen Tag vergehen, ohne dass du irgendwas gemacht was, was dir gutgetan hat. Das kann heißen, in einem guten Buch ein paar Seiten zu lesen, es kann aber auch heißen: Ich schaue einen schönen Film, führe ein gutes Gespräch mit einem Freund oder mache eine halbe Stunde Mittagsschlaf, den ich mir sonst vielleicht nicht gönne, oder ich genieße ein tolles Essen. Es gibt tausend Dinge, die mich im Alltag ein wenig erfreuen können. Und darauf kommt es ja dabei an. An jedem Tag irgendwas zu machen, was mir richtig guttut.

Ein wichtiger Satz von Johannes XXIII. ist für mich auch: „Nur für heute werde ich mich an die Umstände anpassen, ohne zu verlangen, dass sich die Umstände sich meinen Wünschen anpassen.“

Das heißt für mich: Das Leben kommt oftmals anders, als ich es gewollt oder geplant habe, aber daran will ich mich nicht aufreiben. Leben heißt für mich, auch immer flexibel bleiben. Und ich finde, das ist besonders im Umgang mit Menschen wichtig. Ich merke das immer wieder im Schulunterricht, den ich gebe. Schülern ticken einfach manchmal ganz anders, als ich mir das wünsche, und dann hilft es mir wenig, wenn ich das alles ganz schlimm finde. Ich muss einfach meinen Lernstoff den Schülern anpassen und nicht umgekehrt.

Der Satz von Johannes XXIII. hilft mir, vom tatsächlichen Leben her zu denken und nicht von abstrakten Grundsätzen. „Nur für heute werde ich“: Diese Gedanke von Johannes XXIII. sagen mir: Nimm das Leben, so wie es ist, und gönne dir jeden Tag etwas Gutes.

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