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Als Paar die Liebe Gottes sichtbar machen!
Bild: tu_anh_pixabay

Als Paar die Liebe Gottes sichtbar machen!

Stefan Herok
Ein Beitrag von

Stefan Herok,

Pastoralreferent in der Pfarrei St. Bonifatius, Wiesbaden
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"Evangelisch - katholisch: Was sie trennt und verbindet"

Reihe zum Ökumenischen Kirchentag - Teil 3: Ehe und Partnerschaft

Ökumenische Feiertagsgedanken von Rundfunkpfarrerin Claudia Rudolff, Kassel, und Pastoralreferent Stefan Herok, Wiesbaden

Stefan: Guten Morgen! Ich bin Stefan Herok, katholischer Theologe und seit einem halben Jahr im Ruhestand.

Claudia: Ich bin Claudia Rudolff und evangelische Rundfunkpfarrerin.

Stefan: Heute geht es um das Thema Ehe und Partnerschaft. Von uns beiden gemeinsam in den Blick genommen…

Claudia: aus evangelischer…

Stefan: und aus katholischer Sicht. Was wird wohl überwiegen: die Gemeinsamkeiten...

Claudia: oder die Unterschiede? Ich bin seit 1988 verheiratet - schon 33 Jahre. Mein Mann und ich haben davor schon 6 Jahre zusammen studiert und gelebt.

Stefan: Meine Heike und ich, wir haben auch vor der Ehe schon zusammengewohnt. Das war aus katholischer Sicht natürlich verboten. Theoretisch ist nach „reiner katholischer Lehre“ vorehelicher Sex auch heute noch tabu. Wir fanden aber wichtiger, uns in Punkto Zärtlichkeit und Verantwortung füreinander auch körperlich kennen zu lernen.

Für Luther war die Ehe „ein weltlich‘ Ding“

Claudia: Für uns gibt’s da kein Problem. Nach evangelischem Verständnis ist die Ehe „ein weltlich‘ Ding“. So hat es Martin Luther ausgedrückt. Durch die standesamtliche Heirat und nicht durch die kirchliche Trauung wurde unsere Beziehung rechtlich verbindlich. Doch ein Traugottesdienst war uns ganz wichtig. In dieser Feier ging es meinem Mann und mir darum: Danke zu sagen für Gottes Liebe und dafür, dass wir uns gefunden haben. Wir wollten auch noch einmal vor Gott „Ja“ zueinander zu sagen. So wurde unsere Beziehung für uns verbindlicher.

Gottes Hilfe und Segen erbeten

Und wir haben Gott um seine Hilfe und seinen Segen gebeten, damit er uns auch Kraft schenkt und Geduld miteinander in Zeiten, wo es nicht von selbst gut läuft. Stefan, für dich als Katholik sind Trauung und Ehe noch bisschen was andres, oder?

Stefan: Auch wir als katholisches Paar mussten zuerst standesamtlich heiraten. Das ist schon gleich. Wir sehen Standesamt und Kirche aber nicht als zwei getrennte Ereignisse, sondern als zwei Teile eines größeren Ganzen.

Die Liebe in der Ehe ist ein „himmlisch‘ Ding“

Und katholisch würden wir nicht sagen, dass die Ehe ein „weltlich Ding“ ist. In ihr geht es schließlich um die Liebe und die Liebe ist doch göttlich und himmlisch! Manchmal sogar „siebter Himmel!“ Darum ist die kirchliche Hochzeit - katholisch gesehen - mehr als „nur“ ein Segen für die Ehe.

Die Ehe ist für uns ein Sakrament

Was du, Claudia, evangelisch über die Inhalte der Hochzeitsfeier gesagt hast: Zueinander Jasagen, Gottes Segen empfangen… Das alles gehört auch katholisch zur Eheschließung. Und genau wegen dieser schönen Inhalte ist das Ganze für uns Katholik*innen ein „Sakrament“! So wie auch Taufe und Abendmahl Sakramente sind: also heilige Zeichen, die uns mit Gott verbinden und uns fürs Leben Gottes Kraft schenken.

Das ist für mich gerade das Besondere am christlichen Eheverständnis: Jeder Mensch, der wirklich liebt, kennt und erfährt Gott. Und unsere Liebe zeigt der ganzen Welt, dass Gott und die Liebe dasselbe sind.

Sakramente verbinden uns mit Gott

Inhaltlich also ziemlich ähnlich, das Heiraten, liebe Claudia, nur sagt ihr Evangelischen dazu nicht Sakrament. Und ich kann mir denken, warum…

Claudia:Ja, Stefan, für uns ist die Ehe kein Sakrament, kein heiliges Zeichen. Denn das führt ja zu einem Problem: Die Ehe ist bei euch so heilig, dass man sie nicht scheiden kann. Und das find ich beim katholischen Eheverständnis ganz schön schwierig: dass man nur einmal heiraten darf und immer zusammenbleiben soll um jeden Preis. Da sehe ich einen großen Unterschied zwischen unseren Konfessionen!

Viele Katholiken sehen, dass eheliche Verbindungen scheitern

Stefan: Stimmt, Claudia. Es liegt aber meines Erachtens nicht wirklich am Sakramentsverständnis, sondern eher an unserer katholischen Kirchenstruktur. Es gibt nämlich inzwischen viele katholische ChristInnen, die die Ehe einerseits als Sakrament verstehen und sich andererseits trotzdem vorstellen können, dass eine Verbindung scheitert und man auch sakramental noch einmal heiraten könnte.

Was Gott verbunden hat, darf der Mensch nicht trennen

Nur unsere katholische Kirchenleitung, viele Bischöfe und der Vatikan, teilen diese Meinung nicht. Darum verbieten sie weiterhin Ehescheidung und erneute Hochzeit. Sie berufen sich dabei als Begründung auf ein gewichtiges Bibelwort aus dem Matthäusevangelium: „Was Gott verbunden hat, das darf der Mensch nicht trennen.“ (Matthäus-Evangelium 19,4-6). Ist euch Protestanten dieser Satz denn egal?

Claudia: Dieses Bibelwort nehmen auch evangelische Christen ernst. Als wir damals geheiratet haben, haben wir das schon in der festen Absicht getan: Wir wollen für immer zusammenbleiben - bis dass der Tod uns scheidet und nicht: solange es gut geht.

Was, wenn man sich im Laufe der Ehe auseinanderlebt?

Doch im Laufe einer Ehe gibt es auch schwere Zeiten. Unter Umständen lebt man sich auseinander und die Liebe schlägt in ihr Gegenteil um. Dann kann eine Scheidung eine Erlösung für alle Beteiligten bedeuten. Und ich finde es entlastend, dass meine Kirche erlaubt, nochmal zu heiraten.

Stefan: Diese Sicht auf die Ehe wird auch bei uns von vielen befürwortet. Aber in meiner katholischen Kirche sind wir nach wie vor abhängig von der Meinung von Papst und Bischöfen. Ich persönlich hoffe und bete, dass sich da auch bei uns möglichst bald etwas ändert!

Bestreben, gleichgeschlechtliche Paare zu segnen

Das gleiche Problem haben wir katholisch ja auch im Umgang mit homosexuellen Paaren und deren Möglichkeit zu heiraten. Das sehen viele katholische Menschen und auch namhafte TheologInnen inzwischen durchaus liberaler als unsere Kirchenleitung. Mancherorts gibt es sogar intensive Bestrebungen, hier mehr zu ermöglichen. Zumindest erst einmal offizielle Segensfeiern für schwule und lesbische Beziehungen. Aber gleichgeschlechtliche Hochzeiten, das wird katholisch noch lange dauern.

Claudia: Da bin dankbar, dass die bei uns inzwischen zumindest in den deutschen Landeskirchen selbstverständlich gefeiert werden.

Wie hilft uns der Glaube, unseren Beziehungsalltag zu gestalten?

Stefan: Bisher haben wir eher theoretisch über unser evangelisches und katholisches Eheverständnis gesprochen. Lass uns mal praktisch schauen, liebe Claudia, wie der Glaube uns hilft, unseren Beziehungsalltag zu gestalten!

So wichtig, miteinander im Gespräch zu bleiben

Claudia:Dazu gehört für mich, miteinander im Gespräch zu bleiben. Statistisch reden die meisten Ehepaare im Durchschnitt nur noch vier Minuten am Tag miteinander. Das ist einfach zu wenig, um zu wissen, wie es dem anderen geht. Was hat mein Mann heute erlebt, was freut oder belastet ihn? Das ist mir schon wichtig, jeden Tag von ihm zu erfahren. Denn ich bin überzeugt: Wenn wir nicht mehr miteinander reden, haben wir irgendwann auch nicht mehr das Bedürfnis danach. So einfach und so traurig ist das. Deshalb nehmen wir uns bewusst Zeit für Gespräche beim Glas Wein oder beim Spazierengehen. Und zum Gespräch gehören für mich auch Auseinandersetzungen. Klar, die kosten Kraft. Doch ich finde: nicht Diskussionen oder Streit richten eine Ehe zugrunde, sondern wenn wir uns nicht mehr dafür interessieren, was der andere denkt.

Ein tiefes Partnergespräch über Gott und die Welt

Stefan: Das gilt ganz genauso für katholische Paare: eine Kultur entwickeln im miteinander Reden und Streiten und Versöhnen. Ich kenne sogar Paare, die reden nicht nur viel miteinander, sie reden sogar zusammen mit Gott. Bei uns daheim zeichnen wir einander immer ein Kreuz auf die Stirn, segnen uns also, bevor wir unserer Wege gehen. Wir lesen jeden Tag miteinander, nein, nicht aus der Bibel, sondern ein Gedicht. Das ist nur manchmal ausdrücklich religiös, aber doch oft von großer spiritueller Schönheit und Kraft. Daraus ergibt sich oft ein tiefes Partnergespräch buchstäblich über Gott und die Welt.

Einander Raum und Freiheit geben

Claudia:Für mich gehört auch zu einer christlichen Ehe, dem anderen Freiheit zu schenken und nicht dauernd zu lamentieren: „Du bist nicht mehr so wie früher, du hast dich so verändert“. Ich möchte meinen Mann nicht auf ein einmal gewonnenes Bild festlegen.

Wo wir einander Raum geben, und uns zeigen: Ich will es wirklich mit dir zu tun haben - da wird Gottes Liebe sichtbar.

Kinder fordern die Bereitschaft zu teilen

Stefan: Schön, liebe Claudia, da sind wir wieder bei Gott und seiner Liebe als Kraft für unser Leben und es schließt sich der Kreis… Uns würde wahrscheinlich noch einiges einfallen, was zum christlichen Beziehungsleben dazu gehört: vielleicht Kinder? Ihr habt welche, wir haben keine.

Claudia: …und damit die Bereitschaft zu teilen; von unserer Zeit und den materiellen Gütern abzugeben, sich gesellschaftlich zu engagieren.

Mehr Gemeinsamkeiten – oder mehr Unterschiede?

Stefan: Und ob bei diesen katholischen...

Claudia: und evangelischen...

Stefan: Gedanken über Ehe und Partnerschaft nun die Gemeinsamkeiten überwiegen oder die Unterschiede? Das zu beurteilen...

Claudia: mögen wir jetzt gerne Ihnen, unseren Hörerinnen und Hörern überlassen!

Beide: Schönen Sonntag!

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