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Ringelnatz und der Appetit nach Frühstück und nach Leben
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Ringelnatz und der Appetit nach Frühstück und nach Leben

Andrea Maschke
Ein Beitrag von

Andrea Maschke,

Katholische Pastoralreferentin in Bad Homburg / Friedrichsdorf

Morgens, wenn ich zum Frühstück Milch, Butter und Marmelade aus dem Kühlschrank hole, lacht mich ein Zitat aus einem Gedicht von Joachim Ringelnatz an:

„Aus meiner tiefsten Seele zieht mit Nasenflügelbeben ein ungeheurer Appetit nach Frühstück und nach Leben“ Ich habe es mal mit Magneten an die Kühlschranktür gepinnt. Es erfreut mich jeden Morgen.

Das Nasenflügelbeben, das tiefe Einatmen am Fenster, eins zwei Atemzüge lang. Aus tiefster Seele…Der Frühstücksappetit, der sich mit der Lust aufs Leben verbindet. Wunderbar.

Dabei hatte Joachim Ringelnatz kein einfaches Leben, meist lebte er, zusammen mit seiner Frau, von der Hand in den Mund, mehr schlecht als recht. Geboren 1883, hat er ein unstetes Leben geführt, hatte die unterschiedlichsten Jobs und Berufe, zu See und an Land, dazwischen der Erste Weltkrieg. Er kam notgedrungen viel rum in einer Zeit, als das noch nicht selbstverständlich war. Und er eckte an, mit seinen skurrilen Ideen, mit kleinen Tricksereien, mit seiner freiheitlichen Haltung und seinem merkwürdigen Aussehen.

In den 20er Jahren kam er als Kabarettist, Vortragskünstler und Schriftsteller zu Berühmtheit. Seine Gedichtsammlungen wurden gut verkauft. In dieser Zeit war er in Künstlerkreisen zu Hause, ohne dabei jedoch wohlhabend zu werden. Die Nationalsozialisten erteilten ihm schließlich 1933 Auftrittsverbot und verbrannten seine Schriften. Mit gerade mal 51 Jahren starb er Ende 1934 an Tuberkulose.

Ich glaube, Joachim Ringelnatz, der eigentlich Hans Gustav Bötticher hieß, war ein Suchender, einer, der sich mit dem, wie das Leben war, nicht zufrieden gab. Und so jemand bringt mich also allmorgendlich mit seiner Gedichtzeile zum Schmunzeln und lässt mich ein bisschen besser in den Tag starten.

Und noch ein Gedicht von ihm liebe ich. Joachim Ringelnatz hat es 1933 geschrieben, in dem Jahr, als ihm vieles beruflich nicht mehr möglich war und er zudem an Tuberkulose erkrankte. Mich tröstet es manchmal mit einem Augenzwinkern, wenn nicht alles so läuft, wie ich es gerne hätte:

In Hamburg lebten zwei Ameisen,
Die wollten nach Australien reisen.
Bei Altona auf der Chaussee,
Da taten ihnen die Beine weh,
Und da verzichteten sie weise
Dann auf den letzten Teil der Reise.

So will man oft und kann doch nicht
Und leistet dann recht gern Verzicht.

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