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Muntermacher in der Mailbox
Bildquelle Pixabay

Muntermacher in der Mailbox

Christoph Schäfer
Ein Beitrag von

Christoph Schäfer,

Katholischer Religionslehrer, Rüsselsheim

Von einem schönen Morgenritual hat mir vor kurzem die Frau eines Schulfreundes erzählt: Sie stammt aus Italien, hat aber längst in Hessen Wurzeln geschlagen. Natürlich fühlt sie sich weiterhin ihrer alten Heimat verbunden. Vor allem ihrer Familie. Daher genießt sie es sehr, dass sie täglich ein ganz besonderes Foto in ihrer Mailbox findet: Ihr Bruder macht nämlich mit bewundernswerter Regelmäßigkeit jeden Morgen eine Aufnahme vom „Hausberg“ ihrer alten Heimatstadt – einem mächtigen Dreitausender. Und schickt ihr dann dieses aktuelle Bild, zusammen mit einem kleinen Gruß.

Ich durfte mir die Bilder-Galerie einmal anschauen; sie ist inzwischen schon ziemlich beeindruckend. Und ich war von diesem Familienprojekt sofort begeistert. Denn ich finde: Es ist einfach ein wunderbarer Start in den Tag, wenn man sich auf eine solche Mail freuen kann, bevor man mit der elektronischen Büro-Post konfrontiert wird.

Und ich habe noch etwas anderes an den Fotos faszinierend gefunden: Die Bilder sind überraschend vielfältig, obwohl sie praktisch immer aus dem gleichen Blickwinkel heraus aufgenommen werden. Denn mal hat der Berg über Nacht so viele dunkle Regenwolken eingesammelt, dass ein respektgebietender Helm seinen Gipfel umhüllt. Dann wieder leuchtet die Bergspitze gleißend hell mit einem blitzblanken Morgenhimmel um die Wette. Das zeigt auf eine schöne Weise: Auch im Alltagsleben ist jeder neue Tag anders und besitzt seine eigene Faszination. Wenn man sich die Mühe macht und auf diese Eigenheiten achtet.

Ich selber wohne nicht mit einem Dreitausender in Sichtweite. Und ich sehe beim Verlassen der Wohnung nur selten einen so strahlend blauen Himmel, wie er auf den Fotos aus Italien oft zu bewundern ist. Aber das kleine Morgen-Projekt hat mich trotzdem inspiriert: Ich denke seitdem morgens häufiger daran, was ich wohl als Motivations-Gruß an andere weitergeben könnte. Denn es muss ja kein Foto sein: Ein nettes Wort oder eine kleine Geste können ebenfalls als sympathische Muntermacher am Morgen wirken. Ich stelle mir jetzt morgens manchmal vor, dass da jemand im fernen Italien gerade mit viel Wertschätzung ein Landschaftsfoto macht. Und dann sehe ich auch hierzulande den neuen Tag mit anderen Augen an: neugieriger. Und positiver.

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