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Wie kommt der Hahn auf die Kirche?
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Wie kommt der Hahn auf die Kirche?

Dr. Peter Kristen
Ein Beitrag von

Dr. Peter Kristen,

Evangelischer Pfarrer und Studienleiter, Religionspädagogisches Institut Darmstadt
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Im Nachbardorf wird die Kirche renoviert. Alle Mauern sind eingerüstet, bis hinauf zum Turm. „Wenn du mal mit hinaufsteigen willst, sagt der Nachbarpfarrer, kommst du am Freitag“, dann setzen wir den Hahn wieder auf die Kirchturmspitze. Der glänzt jetzt wieder frisch vergoldet. Der Hahn auf dem Kirchturm zeigt an, woher der Wind weht. Früher konnten ihn die Bauern vom Feld aus sehen und daran erkennen, wie das Wetter wird.

Der Hahn auf den Kirchturm ist aber nicht nur ein Wetterhahn, er erinnert auch an die Geschichte von Simon Petrus, dem ersten Jünger Jesu. Weil Petrus so felsenfest überzeugt ist, dass Jesus von Gott gesandt ist, verspricht er Jesus, ihn nie zu verlassen, selbst wenn er mit ihm sterben müsste.
Das ist mutig. Er sagt nichts Butterweiches, weicht nicht aus. Er hat Mut und bekennt. Und dann kommt der Hahn ins Spiel.

Jesus sagt: „Bevor der Hahn zweimal kräht, wirst du dreimal abstreiten, dass du mich kennst“. Als Jesus verhaftet wird, lügt Petrus wirklich dreimal: Er kennt Jesus nicht, sagt er. Da kräht der Hahn und Petrus weint bitterlich. Zu viel versprochen - und jetzt? Was wird aus Petrus, dem Versager?

Später wird erzählt, als Jesus schon gestorben war, sagt ein Engel den Frauen an Jesu Grab: Jesus ist auferstanden. Der Engel sagt auch: „Geht hin und erzählt es seinen Jüngern, besonders Petrus.“ 

Ich finde: „Das ist typisch Gott: Besonders Petrus. Petrus, der mehr versprochen hat, als er halten konnte, der bitterlich weinte, wird von Gottes Engel extra erwähnt, damit er ja nicht vergessen wird. Tatsächlich ist Petrus eine der wichtigsten Personen im Christentum geworden.

Der Hahn auf der Kirche macht allen Mut, zu dem zu stehen, was sie glauben. Manchmal reicht es nicht, sich wie ein Wetterhahn im Wind zu drehen, manchmal muss ich mutig sein und widerständig, Gegenwind aushalten für das, woran ich glaube, auch auf die Gefahr hin, dass ich versagen könnte.

Daran erinnert der Hahn auf der Kirchturmspitze alle, die dort ein- und ausgehen und auch die, die ihn nur von weitem sehen.

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