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Wer sucht, findet. Wer nicht sucht, entdeckt!
Bild: Pixabay

Wer sucht, findet. Wer nicht sucht, entdeckt!

Ein Beitrag von

Helwig Wegner-Nord,

Evangelischer Pfarrer, Frankfurt

Bei meinem Fotoapparat gibt es – wie noch bei den meisten Kameras – einen Sucher. Durch den schaue ich, um mein Motiv zu suchen und meinen Bildausschnitt festzulegen, den ich fotografieren will. Neulich ist mir aufgefallen, dass dieser Sucher auf Englisch ‚viewfinder‘ oder einfach ‚finder‘ heißt, also Finder und nicht Sucher.

Finden und Suchen gehören ja irgendwie zusammen, sind aber doch nicht dasselbe. Suchet und ihr werdet finden , eins nach dem anderen – rät schon Jesus in der Bergpredigt. Um zu finden, muss man suchen. Zumindest, wenn ich genau weiß, was ich finden will, dann muss ich suchen. Es gibt aber eine schwierige Seite beim Suchen: wer zu sehr nach einer bestimmten Sache Ausschau hält, übersieht leicht, was sonst noch alles da ist. Wir sprechen gerne von einem „Tunnelblick“, der starr auf einen Punkt gerichtet ist und nicht offen für rechts und links ist, nicht offen dafür, etwas vielleicht sehr Schönes zu finden. Zu sehr bin ich auf dies eine konzentriert, was ich gesucht habe.

Dem spanischen Maler Pablo Picasso ist es eher ums Finden gegangen, nicht ums Suchen. Finden scheint ihm viel interessanter zu sein als Suchen. Picasso sagt, dass einer, der sucht, nur von dem ausgeht, was an alten Beständen da ist, von dem, was er schon kennt. Aber wenn ich nicht suche, sondern offen bin für alles Mögliche, dann wird’s spannend. Über diese Haltung, die bereit ist, etwas zu finden, sagt Picasso: „Alle Wege sind offen, und was gefunden wird, ist unbekannt. Es ist ein Wagnis, ein heiliges Abenteuer.“

Picasso selbst hat eine ganze Menge gewagt, hat in der Kunst viel riskiert und sich auf das heilige Abenteuer eines aufregenden Lebens eingelassen. Seinen Werken ist geradezu anzusehen, dass er nicht etwas mit Tunnelblick gesucht hat, sondern dass ihm alle Wege offen waren. Wer sucht, der findet, wenn’s gut geht, was er gesucht hat. Wer nicht sucht, kann aber entdecken. Ich glaube, ich fange jetzt an, bei meiner Fotokamera den Sucher ‚finder‘ zu nennen, Finder. Und das Abenteuer kann beginnen.

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