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Wenn die Kirche eine Berghütte wäre…
Bild: Pixabay

Wenn die Kirche eine Berghütte wäre…

Eva Reuter
Ein Beitrag von

Eva Reuter,

Katholische Dekanatsreferentin, Dekanat Mainz-Stadt, Mainz
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Ich liebe die Berge. Jetzt in den Sommermonaten bin ich wieder in den Bergen unterwegs. Die Pandemielage lässt das zu, und mit den nötigen Regelungen und ein paar besonderen Vorkehrungen sind auch Hüttenübernachtungen wieder möglich.

So eine Berghütte ist ein wunderbarer Ort. Sie ist das Ziel am Ende eines langen Marsches, sie ist der Zufluchtsort bei Sturm und Gewitter, und sie ist der Ausgangsort für inspirierende Gipfeltouren. Manche sind auch echte Schmuckstücke mit ihrer alten Bausubstanz. Auch das Hüttenteam spielt eine wichtige Rolle, wenn ich mich auf einer Berghütte wohl fühlen will.  Das Team gibt Auskünfte zur aktuellen Wegbeschaffenheit und zum Bergwetter – und nicht zu vergessen: Es kocht wunderbar leckere Gerichte. Fast immer sind Hüttenwirte und ihr Team sehr hilfsbereit und stehen für die Bedürfnisse der Gäste zur Verfügung.

Ein Platz zum Ausruhen...

Wenn ich so darüber nachdenke, kommt das nah ran an meine Vorstellung von Kirche. So wünsche ich mir Kirche! Und so möchte ich als Mitarbeiterin Kirche sein.

Ein Ort auf meinem Lebensweg, den ich anpeilen kann. Ich möchte mich darauf verlassen können, dass das Haus geöffnet hat, dass mich dort freundliche Menschen erwarten und mich bewirten. Ich wünsche mir ein Team, das mir wohlwollend begegnet und mich mit dem versorgt, was ich für meinen weiteren Weg brauche: Informationen oder ein nettes Gespräch, etwas zu Essen und einen Platz zum Ausruhen.

Weder in der Kirche noch auf der Berghütte bin ich die Einzige, die etwas braucht. Deshalb ist es völlig okay, dass ich mal warten muss oder dass es nicht dauernd mein Lieblingsessen gibt. Das ist in Ordnung für mich, solange die Grundhaltung stimmt. Ich möchte weder abgespeist noch durchgewunken werden und schon gar nicht abgewiesen, weil heute eine geschlossene Gesellschaft die Hütte belegt.

„Schön, dass du da bist“

Ich möchte das Gefühl haben wie bei Uli, dem Wirt der Zufallhütte in Südtirol. Wir kennen uns nicht wirklich, aber als wir als Übernachtungsgäste eingetroffen waren, hat er uns begrüßt, als seien wir alte Bekannte. Es gab einen Schnaps und ein „Schön, dass ihr da seid“, das wirklich ernst gemeint war. Dabei liegt die Hütte so, dass jede Menge Tagestouristen die volle Aufmerksamkeit des Servicepersonals fordern und wir bei Weitem nicht die einzigen Gäste waren.

Und noch etwas möchte ich als Mitarbeiterin der Kirche von den Hüttenwirten übernehmen: Kein Hüttenwirt ist persönlich beleidigt oder zweifelt an der Richtigkeit seines Jobs, wenn die Wanderer weiterziehen. Auch wenn ich nach drei Jahren einmal wieder auf die Zufallhütte komme, werde ich sicher wieder mit einem „Schön, dass du da bist“ begrüßt und nicht schräg angeschaut, weil ich jahrelang woanders gewandert bin.

"Ein Beruf...der Berufung ist"

Und ja, die Hüttenwirte haben ein Interesse daran, dass zahlende Gäste wiederkommen – aber dieser Aspekt lässt sich ja nun auch auf kirchliche Mitarbeiter*innen übertragen, finde ich. Aber ich denke, dass Hüttenwirt*in genauso wie Seelsorger*in ein Beruf ist, der Berufung ist. Das kann man nicht machen, wenn man davon nicht überzeugt ist. Dazu ist es zu anstrengend und braucht zu viel persönlichen Einsatz.

Außerdem glaube ich: Jesu Botschaft hat ganz viel mit Gastfreundschaft zu tun. Das erklärt sich schon aus seinem Leben als Wanderprediger. Ohne Gastfreundschaft wären er und seine Jünger aufgeschmissen gewesen. Ich glaube, dass dieser Umstand nicht nur der damaligen Zeit geschuldet ist. Ich denke, es gehört zur Botschaft von einem menschenfreundlichen Gott unbedingt dazu, dass es an jedem Weg eine Hütte gibt, die Zuflucht bietet – gerade wenn das Wetter schlecht ist.

Ich freue mich schon auf meine Hüttenerfahrungen in diesem Sommer! Und ich will mich danach wieder dafür einsetzen, dass die Kirche mehr wird wie eine Berghütte auf dem Weg Gottes mit den Menschen.

 

 

 

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