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Warum Friedrich an Gott glaubt
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Warum Friedrich an Gott glaubt

Michael Becker
Ein Beitrag von

Michael Becker,

Evangelischer Pfarrer i. R., Kassel
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Friedrich glaubt an Gott, genauer gesagt: er glaubt an den Fußballgott. Friedrich ist Torwart; und geistig behindert. Das weiß er nicht. Vielleicht fühlt er es manchmal. Vor allem fühlt er, dass er gewinnen will. Immer. Jedem Spiel fiebert er entgegen. Die Mama legt ihm sein Trikot zurecht; dazu seine großen Handschuhe. Da spuckt er kurz vor dem Spiel hinein und reibt sich die Hände - wie das alle Torleute machen, vor allem sein Vorbild Manuel Neuer. Dann geht’s los, das Spiel; Friedrich, 16 Jahre, ist angespannt.

Aber guter Dinge. Seine Pfarrerin hat mal zu ihm gesagt: Gott ist auf Deiner Seite. Das hat Friedrich sich gemerkt. Man kann nie genug Fans haben. Und Friedrich will ja gewinnen. Da freut man sich über jeden, der auf seiner Seite ist. Nicht immer gewinnt Friedrich mit seiner Mannschaft. Aber egal, das wird dann schnell vergessen.

Heute hat er spielfrei. Er trifft sich mit seiner Mannschaft im Heim, wo er lebt. Wenn er nicht bei den Eltern ist am Wochenende. Mit den anderen schaut er Fernsehen, manchmal Fußball. Friedrich will den Torleuten genau zugucken - wie sie sich bewegen, wie sie werfen und so. Er will lernen. Nächsten Sonntag spielen sie ja wieder. Ein schwerer Gegner wartet. Sie fahren mit dem Bus dahin. Vorher zieht er sein Trikot an, seine Handschuhe. Dann spielen sie sich ein auf dem Platz. Laufen ein bisschen. Friedrich übt Bälle fangen. Und dann, vor dem Spiel, wird er sich sagen, wie vor jedem Spiel: Das Runde darf nicht ins Eckige. Und: Gott ist auf meiner Seite.

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