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Splitter und Balken
Pixabay/Klaus Hausmann

Splitter und Balken

Thomas Drumm
Ein Beitrag von

Thomas Drumm,

Evangelischer Pfarrer, Leiter der Akademiker-SMD, Marburg
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Freitagmorgen auf der Autobahn. Auf dem Weg nach Frankfurt. Ich bin mal wieder ziemlich knapp dran. Und dann auch noch das: vor mir ein Sonntagsfahrer. Mit 100 auf der linken Spur. Und rechts alles frei. So etwas kann mich aufregen.

Träumt der oder was? Ich setze den Blinker zum Zeichen, dass ich vorbei will. Keine Reaktion. Wie kann man nur so ignorant sein. Wo ist der nur mit seinen Gedanken? Doch alles Ärgern bringt nichts. Er lässt mich nicht überholen.

Nach gefühlten fünf Minuten wacht mein Vordermann endlich auf und wechselt auf die rechte Spur. Am liebsten würde ich dem die Verkehrsregeln erklären: In Deutschland gibt es doch das Rechtsfahrgebot. Ich gebe Gas.

Was mich bei meinem Meeting in Frankfurt wohl erwartet, denke ich mir. Da stehen ein paar komplizierte Dinge an. Wird keine einfache Sitzung werden. Ich versuche, mich darauf einzustellen.

Plötzlich sehe ich im Rückspiegel, wie einer mit hohem Tempo ganz dicht auffährt. Lichthupe. Ich spüre, wie mich sein Fahrstil aggressiv macht: Was spielt der sich so auf? Denkt der, er hat die Autobahn für sich allein? Der gefährdet sich und mich mit seiner Drängelei.

Da fällt mir auf: Ich könnte ja auf die freie rechte Spur wechseln. Ertappt! Und mir fällt das Wort von Jesus ein: „Was siehst du den Splitter im Auge des anderen, aber den Balken in deinem Auge bemerkst du nicht? (…) Zieh zuerst deinen Balken aus deinem Auge, dann kannst du versuchen, den Splitter aus dem Auge deines Nächsten herauszuziehen.“ (Matthäus 7,3-5)

Wie Recht du hast, Jesus, denke ich. Und fahre auf die rechte Spur.

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