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Nimm dich nicht so wichtig
Bild: Pixabay

Nimm dich nicht so wichtig

Uwe Groß
Ein Beitrag von

Uwe Groß,

Katholischer Diakon, Pfarrei St. Peter und Paul, Wiesbaden
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„Nimm dich nicht so wichtig, Giovanni!“, hat einmal Papst Johannes XXIII. zu sich selbst gesagt. Und auch das Zitat: „Papst werden kann jeder, das sieht man an mir“, stammt von ihm. Sympathisch ist er mir, dieser körperlich kleine und doch so große Mann. Er war Papst vor 60 Jahren. Und er verkörpert für mich das, was man Demut nennt. Meist benutzen wir das Wort Demut nur im Sinne von „jemand demütigen“ -also jemanden kleinmachen. Darum geht es bei der Demut aber nicht. Das  lateinische Wort „humilitas“ sagt schon eher, was Demut meint: Bodenhaftung. Mit den Füßen auf dem Boden bleiben. Sich selbst nicht übernehmen und sich selbst nicht überschätzen.

Eine kleine Fabel illustriert das ganz gut: Ein Vogel nahm sich so wichtig, dass er meinte, ohne ihn würde die Welt zusammenbrechen. Er lag den ganzen Tag auf dem Rücken und streckte die Beine gegen den Himmel. Als einmal ein anderer Vogel vorbeikam, fragt er ihn: „Warum streckst du die ganze Zeit die Beine gegen den Himmel?“ „Weil der Himmel sonst einstürzt,“ sagte der eingebildete Vogel. Plötzlich fiel ein Blatt von einer benachbarten Eiche herunter, da erschrak der eingebildete Vogel so sehr, dass er aufsprang und wegflog.  Der Himmel allerdings blieb an seinem Ort. Manchmal bin ich auch wie dieser Vogel, ich denke einfach: Ohne mich läuft es nicht: in meiner Familie, in der  Pfarrei, im Religionsunterricht. Als ich vor einigen Jahren für einige Monate in Elternzeit ging, habe ich mich zum Beispiel gefragt „Wie läuft das denn alles hier in der Gemeinde ohne mich? “Und dann gab es ja auch Menschen, die das noch verstärkt haben: „Herr Groß, wie wird das denn, wenn Sie nicht da sind?“ Das hat mir geschmeichelt, aber ich habe die Erfahrung gemacht: Es geht auch gut ohne mich weiter. Die anderen kriegen es zwar anders aber eben auch gut hin. Das habe ich schon davor so  erlebt, als ich nach zwölf Jahren von einer Kirchengemeinde in die andere gewechselt habe. In meiner alten Gemeinde läuft eben heute vieles anders, manches besser und manches schlechter. Für mich sind das Erfahrungen von Demut:  Ich merke, es geht eben auch ohne mich. Ich kann Gutes darin sehen ist, dass nicht alles an mir hängt, denn das heißt ja: Auch andere sind für das Gelingen verantwortlich. Solche Erfahrungen helfen mir, am Boden zu bleiben und nicht abzuheben. „Nimm dich nicht so wichtig,“ möchte ich da mit dem früheren Papst sprechen.

 

 

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