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Moria: Evakuierung jetzt!
picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Petros Giannakouris

Moria: Evakuierung jetzt!

Gunnar Bach
Ein Beitrag von

Gunnar Bach,

Katholischer Pastoralreferent, Pfarrei Liebfrauen, Westerburg
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Moderatorin / Moderator: Das waren diese Woche Bilder in den Nachrichten, die viele erschreckt und berührt haben: Moria, das völlig überfüllte Flüchtlingslager auf der Insel Lesbos, stand in Flammen. Tausende obdachlose Menschen irren auf Lesbos umher. Wie geht es jetzt weiter? Gunnar Bach von der katholischen Kirche spricht im hr1 Zuspruch über  seine Gedanken und Gefühle angesichts der Fernsehbilder aus Moria.

Die Katastrophe war angekündigt, und doch fehlen mir fast die Worte, wenn ich über diese apokalyptischen Fernsehbilder aus Lesbos reden will, die diese Woche zu sehen waren. Viele, auch deutsche Bischöfe, haben gesagt: Es ist eine Schande für Europa, was da passiert ist. Europa, das doch eine Tradition hat von Christentum und Nächstenliebe.

Brennendes Flüchtlingslager statt brennende Kathedrale

Ich denke an die Bilder der brennenden Kathedrale Notre Dame vor eineinhalb Jahren. Was für eine Welle der Betroffenheit und des  Aufschreis, aber auch was für eine Welle der Solidarität hat die brennende Kirche hervorgerufen!

Heute aber, wenn es um ein abgebranntes Flüchtlingslager geht: Da halten sich die großen Spendenzusagen in Grenzen. Man bekommt fast den Eindruck: Abgebrannte Kunstwerke und Kirchen sind manchen mehr wert als Menschen.

Ich hoffe wirklich: Auch für die Geflüchteten von Moria gibt es bald Hilfe, großzügige Spenden, und auch: Aufnahme-Zusagen aus den anderen europäischen Ländern, auch aus Deutschland.

Christliche Tradition: zur Tat schreiten und helfen

Ich finde: Europa muss gerade in dieser Situation zu seinen Überzeugungen und auch zu seiner christlichen Tradition stehen! Auch die christlichen Kirchen melden sich in diesen Tagen in dieser Richtung zu Wort.

Der Kölner Kardinal Woelki hat wenige Stunden nach Beginn der Brandkatastrophe gesagt: "Moria ist einfach kein sicherer Ort für 12600 Geflüchtete. (…) Spätestens jetzt müssen wir unser Herz berühren lassen. Jetzt müssen wir zur Tat schreiten und helfen."

Evakuieren. Jetzt.

Ich bin froh, dass meine Bischöfe solch klare Worte finden gerade. Und ich glaube auch: Es ist jetzt keine Zeit mehr, auf europäische Lösungen zu hoffen, die erst mal nicht kommen. Die obdachlosen Geflüchteten müssen von der Insel aufs Festland evakuiert werden. Jetzt.

 

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