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Liebe ist keine Zutat
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Liebe ist keine Zutat

Michael Becker
Ein Beitrag von

Michael Becker,

Evangelischer Pfarrer i. R., Kassel
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Es ist jetzt amtlich. Liebe ist keine Zutat. In Amerika wird das festgestellt von der Lebensmittelbehörde. Humorlos, staubtrocken, wie nur Behörden sein können. Liebe ist keine Zutat. Ein Großbäcker hatte Müsli in seinem Schaufenster. Mit Haferflocken, Nüssen, Rosinen und so. Wie man das kennt. Und dann noch etwas. Der Großbäcker schrieb: Alle Zutaten sind vom Feinsten, und - mit Liebe. Das war gut gedacht, rief aber die Lebensmittelbehörde auf den Plan. Die sah das Schaufenster und schrieb der Firma einen „Warnbrief“. Der heißt tatsächlich so. Die Behörde schrieb: Das Schild muss entfernt werden. Ihre Müslimarke führt die Zutat „Liebe“, aber Liebe ist keine Zutat

Es klingt witzig, ist aber ernst gemeint von der Behörde. Und Recht haben sie auch noch. Liebe ist keine Zutat. Sie ist der Anfang und das Ende von allem. Was hilft das schönste Müsli, wenn es nicht mit Liebe gemacht ist, von Anfang an. Was soll das beste Leben, wenn es ohne Liebe bleibt. Nicht als Zutat, sondern als Quelle, als Wegweiser, als Maß für alles. Alle eure Dinge lasst in Liebe geschehen, schreibt der Apostel Paulus (1. Korintherbrief 16,14). Der muss es doch wissen - bei dem vielen Streit, den er mit Menschen hatte. Bei Ärger möchte man manchmal richtig laut werden oder sogar schlagen, denkt man. Und weiß doch, dass es sinnlos ist. Rache wird sich wieder rächen, das ist das Furchtbare. Und Liebe weckt Liebe. Nein, nicht immer, ich weiß. Ich hoffe es aber. Auf Liebe hoffen ist immer besser als rächen. Aus Rache wird keine Liebe. Aus Liebe schon eher. Das ist doch wenigstens eine Hoffnung. 

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