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Kindersoldaten: Krieg kann nie ein Spiel sein
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Kindersoldaten: Krieg kann nie ein Spiel sein

Alexander Matschak
Ein Beitrag von

Alexander Matschak,

Stellvertretender Pressesprecher des katholischen Bistums Mainz
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Manchmal braucht es einen zeitlichen Abstand. Und dann wundert man sich bisweilen sehr über das eigene Verhalten. Oder über Vorlieben, die man mal hatte. Ich denke da an die Zeit, als ich so etwa zehn Jahre alt war. Damals habe ich unheimlich gerne mit Spielzeugwaffen gespielt. Und ich hatte zwei Schulfreunde, die hatten Kisten voller Spielzeugwaffen: Gewehre, Pistolen, alles, was mein Herz begehrte. Und natürlich haben wir mit Begeisterung Soldaten gespielt. Im Garten ganze Kriege nachgestellt. Ich selbst hatte nur einen kleinen Spielzeugrevolver in meinem Kinderzimmer. Denn meine Eltern haben meine Begeisterung für Spielzeugwaffen nicht geteilt.

Natürlich war es mir als Kind nicht klar, was es wirklich bedeutet, Soldat zu sein. Was es heißt, mit echten Waffen Menschen töten zu müssen. Doch es gibt Kinder, die gezwungen werden, Soldat zu sein. Die mit echten Waffen Menschen töten müssen. Dem einen Riegel vorzuschieben: Dazu fordert der heutige Tag auf. Denn heute ist der Internationale Tag gegen den Einsatz von Kindersoldaten. Weltweit sind es nach Schätzungen der Vereinten Nationen 250.000 Kinder, die zum Kampfeinsatz in Kriegen und bewaffneten Konflikten gezwungen werden. Vor allem in Afrika und Asien. Diese Kinder sind davon ihr Leben lang gezeichnet, haben schwerste psychische und physische Schäden.

Der heutige Tag heißt auch Red Hand Day. Aktion Rote Hand: Unter diesem Motto gibt es heute Aktionen gegen den Einsatz von Kindersoldaten. Da bauen zum Beispiel Schulklassen oder Jugendgruppen in Fußgängerzonen Stände auf und informieren Passanten über das Schicksal von Kindersoldaten. Und bitten sie, ihren Handabdruck mit roter Farbe auf ein Blatt Papier zu drücken. In den vergangenen Jahren sind in über 50 Ländern hunderttausende roter Handabdrücke gesammelt worden. Die Kinder haben sie dann an Politiker übergeben: an Bundestagsabgeordnete in ihrem Wahlkreis, aber auch an den Bundespräsidenten, den Bundesaußenminister oder an den UNO-Generalsekretär.

Was ich gut finde: Die Kinder haben auch klare Forderungen an die Politik: Kein Kind unter 18 Jahren darf in Armeen eingesetzt werden; die Verantwortlichen, die Kinder als Soldaten rekrutieren, müssen als Kriegsverbrecher bestraft werden; Waffenexporte in Krisenregionen müssen gestoppt werden; und es muss mehr Geld geben für Kindersoldaten-Hilfsprogramme. Unterstützt wird die Aktion Rote Hand übrigens auch von kirchlichen Gruppen: dem Lutherischen Weltbund oder dem katholischen Hilfswerk Missio. Und auch Papst Franziskus hat schon mehrfach den Einsatz von Kindersoldaten verurteilt.

Mein Sohn ist jetzt sieben Jahre alt. Und natürlich spielt auch er gerne mal mit Spielzeugwaffen – vor allem mit seinen Freunden aus der Schule. Meine Frau und ich werden ihm das nicht verbieten. Aber ihm versuchen zu erklären, warum wir das nicht gut finden. Denn: Krieg kann nie ein Spiel sein. Niemals.

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