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Keine Wurzeln, nur Teddy
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Keine Wurzeln, nur Teddy

Michael Becker
Ein Beitrag von

Michael Becker,

Evangelischer Pfarrer i. R., Kassel
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Plötzlich fällt ihm sein Teddy ein. Abends im Bett. Das Jahr hat nicht gut begonnen. Zu viel Ärger und Alleinsein. Zu lange schon allein. Der Schlaf ist auch nicht sein Freund. Nachts wacht er auf, denkt nach. Was das Leben wert ist und so. Manchmal fürchtet er, schlafen zu gehen. Da fällt ihm plötzlich sein Teddy ein. Den er als Kind hatte. Der war immer da. Wenn er ins Bett musste, gab es eine Freude: Teddy. Erst nahm er ihn in die Hände, dann in die Arme. „Mein Teddy“, sagte er leise. Auch als er schon zur Schule ging. Das Leben war verworren damals. Die Eltern getrennt, die Oma sehr krank. Immer Umzüge von hier nach da. Keine Wurzeln, nur Teddy. Der war da. In jedem Bett. Ihm konnte er sagen, was das Herz schwer machte. Er schluckte sogar seine Tränen. Hatte ja ein dickes Fell, der Teddy. Nichts brachte ihn aus der Ruhe. Manchmal brummte er ein bisschen. Aber ruhig.

Teddy war Freund. Wohl der einzige. Man zog von hier nach dort und nochmal woanders hin. Dann ins Schülerheim. Der Teddy war längst weg, Gott weiß wo. Das Gefühl aber blieb. Wie schön es ist, zuhause zu sein, Heimat zu haben bei einem Freund. Auch wenn die Ärmchen des Teddy zerzaust waren und das Fell speckig, Teddy hatte die Ruhe weg. Machte nie Vorwürfe, lag ruhig da und hörte. Dachte man. Brauchte man. Ein Freund macht keine Vorwürfe, versucht zu verstehen. Vielleicht brummt er manchmal, ganz ruhig. Aber er geht nicht. Geht nie. Und wenn er weg ist, ist er in Gedanken da. Wie Teddy, der ihm abends plötzlich einfällt. In der Nacht nimmt er ihn in die Arme. Scheinbar wie früher. Als wolle er leise zu Teddy sagen: Du bist bei mir.

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