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hr4 Gottesdienst am Ostersonntag
Bildrechte: Stadtpfarrkirche Fulda

hr4 Gottesdienst am Ostersonntag

Stefan Buß
Ein Beitrag von

Stefan Buß,

Katholischer Pfarrer, Innenstadtpfarrei St. Simplicius, Faustinus und Beatrix, Fulda

hr4 Radiogottesdienst aus der katholischen
Stadtpfarrkirche "St. Blasius" in Fulda
am Ostersonntag, 12. April 2020, 10.05 Uhr – 11.00 Uhr

Liturgie + Predigt:                    Dechant und Stadtpfarrer Stefan Buß

Lektor/in:                                   Cornelia Enders
                                                    Martin Matl

Musik:                                         Gesangsquartett der Innenstadtpfarrei
                                                     Bläserquartett der Innenstadtpfarrei

Orgel:                                          Hans-Joachim Rill

Musikalische Gesamtleitung:   Johannes Haubs

Kirchliche Redaktion:                Eva Rudolf, Bistum Fulda

Den Gottesdienst zum Nachhören finden Sie auf hr4.

Aufgrund der aktuellen Lage fand der Gottesdienst unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.

Predigt

Wann fängt Auferstellung an?

Ostermorgen. Niemand war dabei, als Jesus von den Toten auferstand. Und die biblischen Berichte? Die erzählen nur davon, dass Jesus erschienen sei, den Frauen und den Jüngern – und sie finden das leere Grab.

Wenn wir das Evangelium nach Markus lesen, kommt noch die bange Frage der Frauen dazu: „Wer könnte uns den Stein vom Eingang des Grabes wegwälzen?“

Stellen Sie sich die Szene vor: Ein Höhlengrab, das mit einem Felsblock verschlossen ist, mit einem großen Stein, wie es sogar eigens betont wird.

Mir kommt die Frage der Frauen alles andere als vordergründig vor. Sie ist sehr tiefsinnig. Es geht nämlich um persönliche Erfahrungen. Es geht um den Stein vor dem Grab der eigenen Enttäuschungen, den Stein vor dem Grab der abgestorbenen Sehnsüchte, des Verlustes lieber Menschen.

Auch unsere Hoffnungen scheinen sich immer wieder zu zerschlagen und unsere Sehnsüchte bleiben unerfüllt.

Was liegt nicht alles in mir begraben, fest verschlossen von einem großen Stein der Angst, der Sorge, der Entbehrung?

Der Stein aus den Osterevangelien steht für die Steine in unser aller Leben.

Ein weiteres Stichwort des Osterevangeliums ist die Dunkelheit. In der Bibel heißt es: „Sie kamen ans Grab als es noch dunkel war!“ Es war die Nacht des Verrates und der Finsternis.

Auch dies ist übertragbar auf eigene menschliche Erfahrungen. Es umfasst Lebenssituationen der Angst und Trostlosigkeit. Situationen, in denen man nichtmehr durchblickt. Es gibt dunkle Nächte und Abgründe in unser aller Leben. Wer kann die Nacht hell machen?

Ein drittes Stichwort drängt sich auf: Der Tod. Jesus, in den sie all ihre Hoffnungen gesetzt hatten, war am Kreuz gescheitert, nichtmehr bei Ihnen – tot! Es ist aus und vorbei.

Dazu gehören auch die Todeserfahrungen im eigenen Leben.  Es gibt viele Abschiede im menschlichen Leben. Durch Abnützungen, Enttäuschungen. Abschied von der Jugend und der Schönheit. Die Erfahrung des Verlustes eines geliebten Menschen. Und schließlich mein eigener Tod. Wer kann das ändern? Wer kann uns retten.                                               

Mitten in das menschliche Geschehen mit seinen Schattenseiten fällt das Geschehen von Ostern und das eröffnet eine neue Wirklichkeit.

Niemand war dabei, als Jesus von den Toten auferstand. Aber die Erfahrung, was Auferstehung bedeuten kann, die können wir vielleicht hier und jetzt schon einander schenken: Wenn wir einander helfen, die Steine von unseren persönlichen Gräbern weg zu wälzen.

Liebe Schwestern, liebe Brüder,
wir glauben an einen Gott, der dem Stein nicht das letzte Wort lässt. Wir glauben an einen Gott, der uns neue Wege aus dem Dunkel zum Leben zeigt, der uns aus dem Tod zum Leben führt. Ich wünsche uns allen, dass wir mit unseren Steinen, die uns durch Ängste im Leben, Enttäuschungen oder den Tod eines lieben Menschen auferlegt wurden, nicht alleine bleiben. Ich wünsche uns, dass wir füreinander Stütze und Kraft sind in der Gemeinschaft des Glaubens. Endlich wünsche ich uns, dass wir aus dem Glauben an den Gott des Lebens und der Liebe neuen Mut schöpfen zu einem Leben, das nicht vor allem steinig und dunkel, sondern hoffnungsvoll ist und auch uns in die Gemeinschaft der Vollendeten führt.

Halleluja Jesus lebt! Der Herr ist wahrhaft auferstanden! Halleluja Amen.

 

 

 

 

 

 

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