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Hinhören können

Hinhören können

Clemens Weißenberger
Ein Beitrag von

Clemens Weißenberger,

Katholischer Pastoralreferent, Frankfurt
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Unsere Nachbarn haben inzwischen auch so eine Box. „Alexa, Musik lauter!“ und schon geht die Lautstärke nach oben. Oder: „Alexa, spiele Highway to Hell!“ dann kommt das Lied Sekunden später aus den Lautsprechern. Viele elektronische Sprachassistenten wie Alexa gehört mittlerweile für viele Menschen zur Familie. Klein und unauffällig nehmen sie Bestellungen auf, sorgt für die richtige Musik und sind offen für die jeweiligen Bedürfnisse. Und die können ja vielfältig sein. Wenn jemand traurig ist, kann er sich trösten lassen. Vielleicht könnte Alexa helfen. Oder Siri. Ich hab‘s versucht. Auf meinen Hinweis „Siri, ich bin traurig.“ bekam ich zur Antwort: „Das tut mir leid, du kannst immer mit mir reden.“ Also ich: „Ich habe Probleme auf der Arbeit!“  Aber eine Antwort gab‘s dann doch nicht. Siri meinte: „Ich weiß nicht, was du mit „Ich habe Probleme auf der Arbeit“ meinst. Wenn du magst, kann ich eine Websuche starten.“

Können moderne elektronische Helfer Problemlöser sein? Kann mich elektronischer Trost trösten? Es bleibt für mich dabei, die Apps und Assistenten, die haben kein Seelenleben. Und eine Maschine ist kein echter und richtiger Gesprächspartner. Den aber brauche ich, wenn ich Trost suche. Wenn ich meinem Freund am Telefon sage: „Ich habe Probleme auf der Arbeit!“ dann sagt der „Ach du lieber Himmel, was ist denn los?“ Dann weiß ich, dass mein Freund zuhört. Ab und zu nachfragt. Am Ende dann vielleicht gar keine Lösung da ist. Aber das ist gar nicht so wichtig. Weil mir ein Mensch zugehört und mich verstanden hat und nicht irgendeine Plattheit aus einem Lautsprecher kam.

Ich denke, dass das die Stärke von Menschen ist. Reales aufeinander zugehen und eingehen, das können wir nur, wenn wir mehr hören als die Sprache, also, wenn wir sehen, wie es dem Menschen geht, wie es um seine Seele steht. Deswegen sind alle Menschen Seelsorger, die sich Gedanken machen, um ihre Kinder, ihre Verwandten, ihre Freunde, und manchmal auch um Fremde, die einfach nur jemanden brauchen, der ihnen zuhört. Wer den anderen richtig verstehen will, muss als Mensch mitfühlen können.

Klar, ich nutze ja auch die moderne Technik. Aber wenn es um die Seelensorge geht, bleibe ich beim persönlichen Gespräch. Und das am besten in Ruhe und mit Zeit. Denn Menschen können so viele erstaunliche Dinge: Zuhören. Mitfühlen. Eben trösten. Und wenn ich traurig bin, dann nutzt mir nur das Gespräch mit einem Menschen, den ich schätze. Weil er ein Mensch ist.

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