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Hilflosigkeit erleben
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Hilflosigkeit erleben

Ute Zöllner
Ein Beitrag von

Ute Zöllner,

Evangelische Pfarrerin i.R., Pastoralpsychologin, Kassel
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„Bin auf dem Weg in die Tierklinik“, tippe ich in mein Handy. Und weiter:
„Mache mir Sorgen, melde mich, wenn ich mehr weiß.“ Leider geht es unserem Familienhund ziemlich schlecht. Tags zuvor hatte er beim Spaziergang irgendetwas am Wegrand aufgestöbert und gefressen. „Was macht Malo denn da?“, schoß es mir durch den Kopf. Aber da war es schon zu spät. Ehe ich zur Stelle war, hatte der Retriever den Unrat schon verschluckt.
„Wie ärgerlich, dass ich nicht aufgepasst habe. Aber es wird schon gut gehen.“ So versuche ich mich selber zu beruhigen. Schließlich ist es nicht das erste Mal, dass  der Hund irgendetwas aufpickt, was ihm nicht bekommt. Aber mein ungutes Gefühl bleibt. Zunächst ist alles wie immer. Aber am nächsten Morgen stellt sich heraus: Malo hat etwas aufgeschnappt, was ihm ganz und gar nicht bekommen. Nichts be­hält er mehr bei sich. Teilnahmslos liegt er am Boden, reagiert nicht mehr auf unsere Ansprache. Was ist nur mit dem Hund los? Das Tier leidet und wir leiden mit. Die fürsorgliche Tierärztin versteht das gut. Schließlich überweist sie Malo in die Tier­klinik.

Das Handy klingelt. „Was ist denn los?“, fragt eins der Kinder. Ich erzähle die ganze Geschichte und bin inzwischen reichlich nervös. „Ja, aber du bist nun mit ihm in der Klinik. Dort machen sie das, was nötig ist.“ Unser Sohn redet auf mich ein. „Wir lieben den Hund alle, na klar. Es geht ihm schlecht. Wenn er operiert werden muss, geht es ihm morgen auch noch schlecht. Aber er ist in der Klinik. Dort machen sie, was richtig für ihn ist.“
„Naja“ antworte ich, nicht wirklich überzeugt. Mein Sohn möchte mich trösten. Er meint abschließend: „Mehr kannst Du nicht machen - und das ist doch auch eine Erleichterung.“
Bevor ich etwas erwidern kann, ist unser Gespräch zu Ende. Doch sein Satz geht mir lange nach und beschäftigt mich. „Ist das so?“, frage ich mich. Kann das wirklich eine Erleichterung sein, wenn ich nichts mehr machen kann? Ich stehe neben unserem Hund, fühle mich hilflos. Schlimm, dass ich nichts machen kann. „Aber er wird versorgt. … und das ist doch auch eine Erleichterung.“
Mich hilflos zu fühlen, muß nicht immer eine Katastrophe sein. Das soll ich wohl gerade verstehen. Es kann mich auch erleichtern, dass es im Moment nicht auf mich ankommt. Vielmehr sind nun die Ärzte gefragt mit ihrer Kunst. Und Gott ist gefragt mit seiner Fürsorge für seine Geschöpfe. Ja, es gibt Hoffnung. Das ist gewisslich wahr. Unser Hund erholt sich. „Halleluja“, schreibt mir mein Sohn per sms.

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