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Heilig-sein
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Heilig-sein

Uwe Groß
Ein Beitrag von

Uwe Groß,

Katholischer Diakon, Pfarrei St. Peter und Paul, Wiesbaden
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Vor einigen Jahren hat mich ein Pfarrer in einem Gottesdienst mit einer etwas merkwürdigen Aufforderung überrascht: „Euer Auftrag ist es – heilig zu werden.“ Ich fand das erst einmal etwas schräg, vor allem weil fast nur Jugendliche in diesem Gottesdienst waren. Und die hatten vermutlich alles andere im Kopf als ihre Lebensaufgabe darin zu sehen: heilig zu werden. Was ist das eigentlich: heilig sein?

Wer ist schon heilig? Ich habe das jetzt wieder neu verstanden am Beispiel einer Frau, die am kommenden Sonntag vom Papst heilig gesprochen wird. Es ist Katharina Kasper, eine eigentlich unbedeutende Frau aus unserer Region. Sie kam vom Westerwald und hat vor knapp 200 Jahren gelebt. Als sie 25  Jahre alt war, hat sie die Not in ihrem kleinen Dorf gesehen: Arme sind verhungert, Kranke wurden nicht gepflegt, Kinder, die ihre Eltern verloren hatten, lebten auf der Straße. Niemand würde heute über Katharina Kasper reden, wenn sie damals gedacht hätte: „Ach, was kann ich schon machen?“ Aber Katharina hat etwas ganz anderes gedacht und wohl gesagt: „Das kann doch nicht so bleiben.“ Gemeinsam mit ein paar Freundinnen hatte sie die Idee: Wir kümmern uns um die Leute hier im Dorf. Wir pflegen die Kranken, wir teilen mit den Armen, das, was wir zum Essen haben, und wir geben den Kindern eine neue Familie, da wo sie bleiben können und Liebe erfahren. Aus den vier Frauen wurden im Laufe der Zeit immer mehr. Sie wurde zur Gemeinschaft der Dernbacher Schwestern, die noch heute über 600 Frauen miteinander verbinden. Die Gemeinschaft dieser Frauen wirkt auf allen Kontinenten der Erde.

Heilig werden: Für mich fängt das damit an, dass einer sagt: „Das kann doch wohl nicht so bleiben.“ Und ich tue etwas dagegen. Ich kenne Menschen, die sagen: „Das kann doch wohl nicht so bleiben, dass sich keiner um diese ausländische Familie kümmert.“ Diese Menschen geben dann der Familie Sprachunterricht oder gehen mit ihnen aufs Amt. Andere sagen: „Das kann doch wohl nicht so bleiben, dass unsere alten Menschen im Heim nicht besucht werden.“ Und sie gehen hin  und  sind an einem Nachmittag im Monat für sie da, erzählen und singen mit ihnen. Mit anderen Vätern zusammen habe ich mir vor einem Jahr gesagt: „Das kann doch wohl nicht sein, dass es für Kinder in unserer Gemeinde kein Angebot in den Sommerferien gibt,“ und wir machen jetzt jedes Jahr eine Woche Zeltlager, gerade auch für sozial schwache Kinder. Das kann doch wohl nicht wahr sein… Ich glaube wirklich: Heilig werden fängt oft genau mit dieser Erkenntnis an. Papst Paul VI. hat einmal über Katharina Kasper gesagt: „Es werden uns von ihr keine großartigen Eigenschaften und außergewöhnlichen Taten berichtet. Sie selber hat schlicht und dennoch eindrucksvoll vorgelebt, was sie von ihren Mitschwestern fordert: ‚Alle unsere Schwestern müssen Heilige werden - aber verborgene Heilige!‘“

Heilig - sein bedeutet weder Scheinwerferlicht noch Heiligenschein. Heilige haben Not gesehen und Not verändert. Ich glaube: Jeder Mensch kann heilig sein.

 

 

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