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Hauptsache gesund?
GettyImages/ Marcus Chung

Hauptsache gesund?

Ein Beitrag von

Jelena Wegner,

Evangelische Pfarrerin, Siegbach
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"Bleiben Sie gesund." Das höre ich seit Beginn der Pandemie immer wieder. Es steht am Ende von Mails oder Briefen. Andere sagen das zu mir, wenn ich mich verabschiede. Und auch ich selber schreibe oder sage das seitdem häufiger.

Die Pandemie hat gezeigt: Ganz schnell kann sich das Leben ändern. Und plötzlich ist man krank. Deshalb der Wunsch: "Bleiben Sie gesund." Ich habe in dieser Zeit erlebt, was ich theoretisch vorher schon wusste: Ich habe nicht alles im Leben in der Hand.

Das Leben ist unvorhersehbar

Ich kann planen und achtsam handeln. Aber ich verfüge nicht über das, was kommt. Deshalb ist für mich zu dem Wunsch "Bleiben Sie gesund" etwas Zweites dazugekommen. Der Satz: "Bleiben Sie behütet."

Das ist ein Segenswunsch. In der christlichen Tradition ist der Segen etwas, das von Gott kommt. Eine positive Kraft, die in unser Leben hineinwirkt. Segen ist für mich, wenn ich diese Kraft spüre. Das lässt mich anders mit dem Leben umgehen.

Nicht unverwundbar, aber geborgen

"Bleiben Sie behütet." Dieses Segenswort erinnert mich: Da steht einer über meinem Leben. Behütet mich wie ein Hut, der vor Sonne und Regen schützt. Das bewahrt mich nicht vor dem Krankwerden. Aber ich weiß, da ist jemand, wenn es mich trifft.Gott hält mein Leben in der Hand, was auch kommt.

Hurra, ich lebe!

"Bleiben Sie behütet". Das schreibe ich deshalb am Ende von Mails oder Briefen. So verabschiede ich mich. Ich glaube, das werde ich  beibehalten. Auch dann, wenn die Pandemie endlich mal vorbei ist. Die Erfahrung: Gesundheit ist nicht selbstverständlich.

Morgens, wenn ich aufstehe, wahrnehmen: Hurra, ich lebe! Wenn ich spazieren gehe: tief einatmen und jeden Zug frische Luft genießen. Und mich freuen, wenn ich Menschen treffe.

Leben ist Segen. Bleiben Sie behütet!

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