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Glockenläuten
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Glockenläuten

Kurt Grützner
Ein Beitrag von Kurt Grützner, Evangelischer Pfarrer i. R., Kassel

Um 7 Uhr läuten von vielen Kirchen die Glocken. Sie wird das nicht stören. Sie sind schon mehr oder weniger wach und hören Radio. Guten Morgen!

Am Sonntag ist das für viele anders. Auch Frühaufsteher möchten mal ausschlafen. Manche sogar so lange, dass sie das Läuten der Glocken um halbzehn stört. Sie läuten, um zum Gottesdienst einzuladen.

Ich weiß, wovon ich rede. Ich wohne in der Nähe einer Kirche. Manchmal ist es so laut, dass ich denke: die Kirchturmglocke läutet aus dem Nebenzimmer. Ich habe von Gemeinden gehört, die sogar einen Rechtsstreit wegen des Glockengeläuts bestehen mussten. 

Wir machen das anders. Wir machen das Fenster auf, wenn die Glocken läuten. Wir nehmen das Glockengeläut als eine heilsame Unterbrechung des Alltags. Zum Beispiel morgens um sieben am Frühstückstisch. Die Gedanken sind schon an der Arbeit oder bei den Kindern in der Schule. Die Glocken unterbrechen die aufkommende Hektik des bevorstehenden Tages. Genauso am Abend, wenn am Abendbrottisch der Stress des Tages noch unangenehm nachwirkt. Fenster auf. Frische Luft rein und das Läuten der Glocken. Das kann Wunder wirken. 

Manchmal höre ich die Glocken auch, wenn ich irgendwo unterwegs bin. Weil wir das zuhause im Familienkreis so üben, spüre ich auch unterwegs die heilsame Unterbrechung des Glockengeläuts. Ich fühle mich weniger getrieben. Die Kirchen-
glocken erinnern mich daran, dass diese Welt mit all ihren Anforderungen nicht alles ist, dass ich mich nicht vollends davon auffressen lassen muss.  

Die Kirchenglocken erinnern mich, dass da noch einer ist, der mich liebevoll lächelnd ansieht und sagt: Es ist gut! Die Kirchenglocken erinnern mich an eine Möglichkeit, Lasten abgeben zu können und um Hilfe bitten zu können. Und so beten wir manchmal auch, wenn die Glocken läuten und am Sonntag lassen wir uns durch die Glocken auch mal in den Gottesdienst einladen. Da sitzen dann die zusammen, die das Läuten gehört haben und nehmen sich eine Stunde Zeit für sich und für Gott. Eine heilsame Unterbrechung des Alltags, nicht nur am Sonntag.

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