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Andere sind anders oder: die Vielfalt ist schön

Andere sind anders oder: die Vielfalt ist schön

Dr. Ulf Häbel
Ein Beitrag von

Dr. Ulf Häbel,

Evangelischer Pfarrer, Laubach-Freienseen

In unserem Dorf gibt es eine große Baustelle, auf der ich häufig bin. Mitten im Dorf direkt gegenüber der Kirche standen seit Jahren alte Fachwerkhäuser leer. In einem war früher einmal die Dorfschmiede, das andere war ein Bauernhof. Vor vier Jahren hat sich ein Verein gegründet: das Vogelberger Generationennetzwerk. Dieser Verein hat die leer stehenden Häuser gekauft und renoviert sie jetzt. Darin soll ein Dorfladen entstehen, eine Tagesbetreuung für ältere Menschen und ein Treffpunkt für sie. Ärztliche Hilfe soll es dort geben und ein paar altersgerechte Wohnungen. Der Rohbau ist fertig, gerade ist der Innenausbau dran. Und dabei helfen Leute aus dem Dorf, soweit sie können. Eigenleistung nennt man das. Dörfer leben weitgehend von diesem ehrenamtlichen Engagement.

Es helfen auch andere Menschen, zum Beispiel Asylsuchende, die in einer Unterkunft im benachbarten Städtchen Laubach wohnen. Zuerst waren es junge Männer aus Syrien, zurzeit sind es Menschen aus Somalia und Eritrea, die auf der Baustelle mitmachen. Die sind anders als die Helfer aus dem Dorf. Sie sehen anders aus, sie reden in einer fremden Sprache und leben auch anders. Sie sind Muslime. Wenn wir auf der Baustelle Frühstück machen, müssen wir darauf achten, dass es kein Schweinefleisch gibt. Das essen Muslime nicht.

Andere sind eben anders. Doch sind wir verbunden im gemeinsamen Tun. Auch wenn wir die Sprache der anderen nicht sprechen, verstehen wir uns beim Arbeiten doch. Da liegt zum Beispiel ein Haufen Split vor dem Haus. Der muss in den Keller geschleppt werden. Beim Anblick der Eimer und Schaufeln kapiert jeder sofort, was zu tun ist. Das Arbeiten und die Freude über das, was wir schaffen, verbindet auch ohne Worte – Syrer, Somalier, alteingesessene Vogelsberger.

Kürzlich haben wir Richtfest gefeiert. Das halbe Dorf war dabei. In der Zeitung war ein Bild von den Helfern auf der Baustelle. Da sah man Menschen mit heller und dunkler Hautfarbe, bekannte Gesichter aus dem Dorf und fremde Menschen, Christen und Muslime. Was das Schönste für mich ist: Wir haben in der Zusammenarbeit Respekt voreinander gefunden. Und im Dorf wird von den anderen, die uns bei der Arbeit helfen, mit Achtung geredet. „Guck mal, wie fleißig die sind; da kann sich mancher von uns eine Scheibe von abschneiden.“Andere sind anders und das ist gut so. Such nicht zuerst Unterschiede zwischen dir und den anderen; beklage nicht die Andersartigkeit anderer Menschen und lehne sie deshalb nicht ab.

Andere sind anders; das ist nun mal so, und die Vielfalt der Menschen ist etwas Schönes. Für mich meint Jesus das mit dem Gebot der Nächstenliebe: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst. (Lukas 10,27) Das heißt: Hab Respekt vor jedem anderen Menschen; er ist wie du ein Ebenbild Gottes.

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