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Was macht schon Sinn?

Was macht schon Sinn?

Clemens Weißenberger
Ein Beitrag von

Clemens Weißenberger,

Katholischer Pastoralreferent, Frankfurt
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Mein Sohn kommentiert es mit genervtem Augenaufschlag und sagt dann: „Ach Papa! Das weiß ich doch!“ Dabei habe ich ihn nur darauf hingewiesen, dass es sprachlich nicht korrekt ist zu sagen „Das macht Sinn“. Das kommt nämlich aus dem Englischen „That makes sense!“ Im Deutschen müsste es heißen: „Das ergibt Sinn!“ Meine Frau guckt mich dann auch immer mit Augenrollen an, und ich merke: Ich habe schon wieder den Besserwisser raushängen lassen. Den Lehrer, der seine Schüler verbessert. Das scheint eine Berufskrankheit zu sein.

„Das macht Sinn!“ Für Menschen, die an korrekter Sprache hängen, ist so was kein richtiges Deutsch. Höchstens „Neudeutsch“, „Denglisch“. Mich stört das auch, wenn ich es höre. Und im Unterricht weise ich auch darauf hin, warum etwas keinen Sinn machen, sondern sich Sinn nur ergeben kann. Aber dann denke ich immer: Eine Sprache lebt. Gerade, wenn sie sich verändert. Also kann man sie nicht ins Museum stellen. Und vor Veränderung schützen. Und das Wichtigste ist doch, dass Menschen sich verstehen und verständigen können. Das zeigt auch der Duden, denn der erlaubt es zu sagen, dass etwas Sinn macht. Sprache also wandelt sich.

Mit dem Glauben ist es auch so. Den kann man auch nicht ins Museum oder in die Kirche stellen und darauf bestehen, dass er immer so bleibt, wie er war. Und diejenigen, die behaupten, alles wäre schon geregelt im Glauben, die sind doch eigentlich nur Museumswächter. Glaube lebt mit den Menschen, die glauben. Die verändern sich und machen neue Erfahrungen mit Gott. Und so verändert sich auch der Glaube. Hauptsache: Der Glaube hilft!

Mir schenkt der Glaube die Gelassenheit, Dinge zu ertragen, die ich nicht ändern kann. Der Glaube schenkt mir Zuversicht. Ich weiß: Ich habe mein Leben nicht selbst in der Hand. Da ist jemand, der es gut mit mir meint. Der mich begleitet und an meiner Seite in den Höhen und Tiefen meines Lebens Beistand sein will. Das macht mich frei zu leben. Das befreit mich vom Druck, alles selbst und immer erfolgreich machen zu müssen. Mein Glaube macht mir Mut. Ich kann Aufgaben angehen, bei denen ich zweifle. Glaube hilft gegen Zweifel.

Mein Glaube verändert sich. Wie auch der Glaube sich in der Kirche verändert. Aber er hilft immer beim Leben. Meine Sprache verändert sich auch. Aber solange wir glauben und uns verstehen: alles gut. Ich denke, das macht Sinn!

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