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Verlieben
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Verlieben

Kurt Grützner
Ein Beitrag von Kurt Grützner, Evangelischer Pfarrer i. R., Kassel

Jeden Morgen an der Bushaltestelle schaut mich eine makellos schöne Frau an. Viel zu jung für mich. Viel zu schön. Aber sie schaut mich auch nur vom Plakat an. Darüber lese ich: „Jede 11 Minuten verliebt sich ein Single übers Internet.“

Ach ist das schön: sich zu verlieben. Das vielzitierten Kribbeln im Bauch spüren. Und endlich nicht mehr allein sein. „Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei“ weiß schon die Bibel. Oder geht es gar nicht darum, nicht mehr allein sein zu wollen? Viele junge Erwachsene leben doch ganz bewusst allein. Sie wollen und genießen ihre Freiheit; eben auch, die Freiheit sich zu verlieben. Das Internet hilft dabei.

Und ich hab auch gar nichts dagegen. Wie gesagt: Das Kribbeln im Bauch ist toll. Ich lebe in einer liebevollen Beziehung und frage mich: Wie oft kann ein Mensch das? Wie oft kann ich mich im Leben verlieben? Steckt vielleicht doch hinter dem kribbelnden Verlieben der tiefe Wunsch, die Liebe meines Lebens zu finden?

Für die Liebe meines Lebens reicht das Kribbeln im Bauch allein nicht. Diese schmerzliche Erfahrung teilen viele Ex-Verliebte, auch die, die noch zusammen leben. Wenn aus dem kribbelnden Verliebtsein Liebe werden will ist Respekt vor der Andersartigkeit des Partners wichtig. Der bewährt sich zu allererst im Streit. Wenn beim Streiten der Respekt fehlt, ist die Liebe zu Ende, bevor sie begonnen hat. Wer aber respektvoll streiten kann, gewinnt eins der größten Geschenke, die Menschen bekommen können: Wirkliche Liebe. Und die gibt es nicht, ohne respektvolles Streiten. Wir müssen uns auseinandersetzen, um uns dann wieder zusammensetzen zu können.

Ich habe den Eindruck, genau das können viele kribbelnd Verliebte nicht. Und verpassen vielleicht genau deswegen die Liebe ihres Lebens. Schade. Ich glaube nämlich schon, was die Bibel sagt. „Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei“.

Und die, die schon lange zusammen sind: Sagen sie ihrem Mann oder ihrer Frau doch mal: Du, mir fehlt das Kribbeln im Bauch. Lass uns doch mal was zusammen unternehmen, damit wir es wieder erleben.

Ich wünsche Ihnen einen liebevollen Tag

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