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Tanz drüber nach
Bild: Pixabay

Tanz drüber nach

Eva Reuter
Ein Beitrag von

Eva Reuter,

Katholische Dekanatsreferentin, Dekanat Mainz-Stadt, Mainz
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„Tanz drüber nach“ – Ich höre den Refrain im Radio und stutze: Doch ich habe richtig gehört: Nicht: Denk drüber nach! Sondern: „Tanz drüber nach“. Ich höre weiter zu. Der Musikstil ist nicht so meins, und ehrlich gesagt, ist tanzen jetzt auch nicht die erste Form von Problemlösung, die mir einfällt, aber ich finde die Idee gut. Die Band „Ohrbooten“ rät in ihrem Lied „Tanz darüber nach“ eben genau das.

Wer hat eigentlich festgelegt, dass man über eine Frage oder eine Entscheidung nur nach-denken darf? Warum kann man nicht wirklich mal darüber nach-tanzen? Bei mir würde es vielleicht eher funktionieren mit „Lauf mal darüber nach“ oder „Sing mal darüber nach“.

Auf das Leben!

Ich bin wieder einmal überrascht und fasziniert, wie durch ein einfaches Wortspiel meine gewohnten Denkwege unterbrochen werden. Eine neue Perspektive tut sich auf: „Tanz drüber nach“ – Das klingt gleich weniger verbissen als „Denk drüber nach“. Die Bewegung, die ich mit dem Verb verbinde, überträgt sich auf mich und meine Sicht auf die Dinge.

Und dann fällt mir ein: Dieses „warum denn nicht“ ist eigentlich eine der typischen Haltung von Jesus. Er kümmert sich nicht darum, ob man etwas sagt oder tut oder ob sein Verhalten ungewöhnlich ist.

Er trifft sich mit den Randgruppen der Gesellschaft, mit schlecht angesehenen Zöllner und Prostituierten. Er isst mit ihnen zu Abend – egal was alle sagen, und er redet in Gleichnissen, obwohl vorher kaum jemand gewagt hatte, vom allmächtigen und erhabenen Gott zu sprechen als einem Bauer der zwei Söhne hat – noch dazu einen missratenen.  

Jesus durchbricht die gewohnten Denk- und Handlungsmuster seiner Zeit, um die Menschen“ auf das Wichtigste im Leben aufmerksam zu machen: Auf das Leben!

Das Leben besteht eben nicht aus starren Vorgaben nach dem Motto „Das haben wir immer schon so gemacht!“. Solche Routinen sind zwar hin und wieder hilfreich, um Aufgaben zu erledigen, aber als Lebensmotto taugen sie nicht wirklich.

Jesus selbst sagt einmal: „Ich bin gekommen, damit sie das Leben in Fülle haben.“ (Johannes 10,10). Bei Fülle denke ich automatisch an ein Fest mit gutem Essen, mit Gesprächen und eben mit Tanz.

Das Herz ein Organ der Bewegung...

Beim Tanzen fällt etwas von uns ab, das einengt und in starre Bahnen lenkt. Eine Tanzfläche hat immer Platz, nie vorgezeichnete Wege. Bewegung baut auch rein physiologisch Stresshormone ab. Also ist Tanzen vielleicht doch eine gute Art und Weise, sich wichtigen Entscheidungen oder Problemen zuzuwenden.

Wenn ich befreit tanze, fallen mir vielleicht eher kreative Lösungen ein, die für alle ein gutes Leben ermöglichen – eben ein Leben in Fülle. „Kopf zu, Herz auf, hör auf zu denken“ – so heißt eine Zeile in dem Lied. Für mich als bekennenden Kopf-Menschen ist das eine Herausforderung! Aber ich habe tatsächlich schon häufiger die Erfahrung gemacht: Bei den wirklich wichtigen Entscheidungen muss das Herz unbedingt auch beteiligt sein. Und das Herz ist nun wirklich eher ein Organ der Bewegung. Es klopft ständig und es hüpft manchmal vor Freude – sicher nicht nur beim Tanzen.

Also nehme ich mir vor: Bei der nächsten Entscheidung tanz ich mal drüber nach!

 

 

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