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Spielen - Die Welt als gute Ordnung erleben
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Spielen - Die Welt als gute Ordnung erleben

Dr. Ursula Schoen
Ein Beitrag von

Dr. Ursula Schoen,

Prodekanin, Evangelisches Stadtdekanat Frankfurt

Spielen gehört für viele zum Freizeitprogramm. Besonders Gesellschaftsspiele wie Siedler von Catan, Monopoly, Risiko. Kinder lieben das, aber auch viele Erwachsene. Ich gehör‘ dazu, und versenke mich so richtig in ein Spiel. Ich versuche, die komplizierte Regeln verstehen und taktisches Geschick zu beweisen. Mich begeistert und entspannt das. Man kann dabei die Zeit vergessen. Wer sammelt die meisten Straßen? Wer tauscht Schafe gegen Erz? Wo liegen neue Expansionsmöglichkeiten? Jedes Spiel hat seine eigenen Regeln. Jedes Spiel entführt die Spieler in eine eigene Welt, in eine eigene Ordnung. Die Ordnung ist „virtuell“ – erfunden oder erdacht.

Die Welt im Spiel ist auf wenige Grundregeln reduziert. Sie ist handhabbar. Es gibt nur eine begrenzte Zahl von Handlungsmöglichkeiten: Ziehe ich „König oder Dame“, setze ich vor oder zurück?

Genau diese Begrenzung fasziniert mich, wenn ich spiele. Unser Alltag ist unübersichtlich und komplex. Wir leben mit unklaren Anforderungen und vielen Handlungsmöglichkeiten. Im Spiel dagegen schaffen wir uns eine geordnete und übersichtliche Welt.

Der Religionssoziologe Peter Berger nennt das Spielen, wörtlich, ein „Zeichen der „Transzendenz“. Das heißt: Im Spielen überschreite ich die Alltagswelt. Das Spiel an sich ist für Peter Berger nicht religiös. Nicht jeder, der gerne spielt, ist auch gläubig. Aber Spielen ermöglicht heilende Erfahrungen: In der Unordnung gibt es Ordnung. Was unübersichtlich ist, kann ich durch die Regeln des Spiels verstehen.

Ich habe Bilder von Kindern im Irak gesehen: Sie spielten in den Trümmerfeldern von Mossul. Sie spielten hingebungsvoll. Mit ihrem Spiel grenzten sie mitten im Chaos der zerstören Stadt ihre kleine, geordnete Welt ab. Sie zeigten ihr Vertrauen, dass es eine neue Ordnung geben kann und wird.

Die Bibel beschreibt Gott als den Schöpfer der Ordnung, einer guten Ordnung. Zu Anfang der Bibel wird erzählt, wie Gott das Chaos Stück für Stück zurückdrängt, Gott setzt die Schöpfungsordnung dagegen: Himmel und Erde, Tag und Nacht, Wasser und Land. Auch der Mensch hat einen festen Platz in dieser Ordnung. Menschen bleiben nicht dem Chaos überlassen. Sie finden Räume, sie finden Regeln, nach denen sie leben und handeln können – zum Guten. Wie das Spiel nach festen Regeln, so hilft auch der Glaube, Sicherheit und Orientierung zurückzugewinnen. Der Glaube schafft wie das Spiel Vertrauen ins Leben – vielleicht in die Zukunft der Welt überhaupt.

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