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Spiel mir das Lied vom Tod
Bildquelle Pixabay

Spiel mir das Lied vom Tod

Dr. Elisabeth Krause-Vilmar
Ein Beitrag von

Dr. Elisabeth Krause-Vilmar,

Evangelische Pfarrerin, Bad Vilbel
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Rächt euch nicht selbst, meine Lieben.
So steht es in der Bibel.

Heute vor 49 Jahren, am 11. Juli 1968, lief ein Film über die Rache in den deutschen Kinos an. Er wurde sofort zum internationalen Kassenerfolg.
Schon der Auftakt von "Spiel mir das Lied vom Tod" wurde zur Legende, zum Mythos des modernen Kinos - und dann kam noch die unvergleichliche Musik dazu.
Vielleicht erinnern sich manche: Drei Männer am Bahnhof. Sie warten. Die Minuten zerrinnen. Der Schweiß der Männer überträgt sich auf die Zuschauer. Die Spannung wird unerträglich. Wassertropfen und Fliegen werden zur Qual. Phantastische Großaufnahmen beherrschen die Leinwand im Kino.

Die Geschichte des Films ist bekannt: Der große Schweiger Charles Bronson, im Film ohne Namen, sinnt auf Rache. Als kleiner Junge wurde er zum Zeugen eines makabren Mordrituals, bei der er ein Lied in eine Mundharmonika blasen musste, während sein Bruder den Tod am Galgen fand. Am Ende erschießt Charles Bronson den Mörder seines Bruders. Die Rache scheint geglückt.

Der Film „Spiel mir das Lied vom Tod“ zeigt, wie stark Rachegefühle sind.
Rachegefühle gehören zu uns, gehören zu unserem Leiden am Bösen.
Ich kenne das auch. Wenn ich verletzt werde, fällt es mir schwer, dem Anderen Gutes zu wünschen. Da liegt der Gedanke der Rache nahe.
Dabei spüre ich: Wenn wir uns rächen wollen, kreisen wir um das, was war. Es hält uns fest. Wir werden im wörtlichen Sinne nach-tragend. Wir tragen die Last auf unseren Schultern.
Deshalb sagt die Bibel: Rächt euch nicht selbst, meine Lieben.
Damit wird anerkannt, dass Menschen voller Rachegefühle sind.
Nicht gegen diese Rachegefühle, sondern gegen den Vollzug der Rache spricht sich die Bibel aus.
Wir sollen klagen und uns für Gerechtigkeit einsetzen, aber die Rache nicht mit Gewalt vollziehen.
Das Urteil Gott und den Gerichten überlassen, versuchen nach vorn zu schauen und einen Weg suchen, mit den Verletzungen und Enttäuschungen zu leben.

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