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Omas Schrank
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Omas Schrank

Johanna Fröhlich
Ein Beitrag von Johanna Fröhlich, Evangelische Pfarrerin, Gießen
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Ich stehe vor dem Schrank meiner Großmutter. Sie ist schon lange verstorben. Es wird Zeit, den Schrank auszuräumen und mich von den Sachen zu verabschieden. Ich bin überrascht, was meine Oma in diesem Wäscheschrank alles aufgehoben hat: die einfachen Kleider, die sie im Alltag getragen hat. Und dann stapelweise unbenutzte Wäsche. Noch originalverpackt: Bettlaken, Unterwäsche, feine Kleidung. Gut sortiert und aufbewahrt für schlechte Zeiten.

Dieser Anblick macht mich traurig. Meine Großmutter hat sich das Gute aufgespart und nie benutzt. Sie hat sich darum gesorgt, ob ihr Geld auch in Zukunft noch reichen wird, um sich solche Sachen zu kaufen.

Ich habe das Glück, in einer Zeit zu leben, in der ich nichts horten muss. Trotzdem habe ich das bis jetzt genauso gemacht wie meine Oma: Die guten Sachen hebe ich für besondere Anlässe auf. Das schöne Kleid, das ich mir mal gekauft habe, wartet noch auf die besondere Gelegenheit. Aber die ist bisher nicht gekommen. Das edle Geschirr hole ich nur für Feste heraus.

Unter den Wäschestapeln in Omas Schrank finde ich noch etwas. Eine Urkunde mit einem Bibelspruch: „Alle eure Sorge werft auf Gott, denn er sorgt für euch.“ (1. Petrus 5,7) Das trifft mich. Unter den Sachen, die meine Oma vorsorglich aufgehoben hat, liegt der Spruch: Mach dir keine Sorgen! Wirf deine Sorgen auf Gott. Er sorgt für dich.

Den Spruch habe ich mir aufgehängt, damit er mich jeden Tag daran erinnert: Ich kann das Schöne im Hier und Jetzt genießen. Dann denke ich morgens: Heute ziehe ich mein Lieblingskleid an und zum Frühstück hole ich das schöne Geschirr aus dem Schrank.

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