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Müssen wir, was wir können?
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Müssen wir, was wir können?

Marcus C. Leitschuh
Ein Beitrag von

Marcus C. Leitschuh,

Katholischer Religionslehrer und Autor, Kassel
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Während bei uns gerade Sommer ist, fällt auf der Südhalbkugel meist keine einzige Flocke – obwohl dort Winter ist. Auf Schneesport will man allerdings auch in Afrika nicht verzichten und baute in Südafrika auf 3200 Meter Höhe eine 1000 Meter lange Skipiste. 20 Kunstschneemaschinen sorgen dafür, dass sich ein langer weißer Schneestreifen durch die braune Hügelkette zieht. Links und rechts der Abfahrtstrecke ist der kahle Bergboden zu sehen. Mittendrin ist ein Schlepplift und einne Skischule mit Hotel gebaut. Einheimische können sich den Eintritt ins afrikanische Kunstschneeparadies nicht leisten. Hier vergnügen sich Touristen. Was sich wie ein Schildbürgerstreich anhört, ist Realität. Und es sieht so aus, als ob wir Menschen mit solchen Projekten die Welt geradezu auf den Kopf stellen. Skifahren muss nicht unbedingt in Afrika möglich sein. Dieses Beispiel zeigt, dass Menschen unglaublich viel Energie und Geld in den Wahnsinn investieren. Geld, dass für die Gestaltung einer gerechten Welt ohne Hunger und mit Bildung für alle fehlt. Mir kommt die biblische Schöpfungsgeschichte in den Sinn: Am Ende von Gottes Schöpfungstagen heißt es: Gott sah, dass es gut war. Was er da sah, war die Aufteilung in Wasser und Land, Wüste und fruchtbares Land, in kalt und warm. Gott sah, dass es Jahreszeiten gibt, in denen Tomaten im Freien wachsen und andere, wo Äpfel reif sind. Wir Menschen glauben aber, dass es notwendig ist, immer alles und zu jeder Zeit zu haben, auch Kunstschnee in Südafrika. „Und Gott sah, dass es gut war“: Diese Bewertung der Welt würde Gott wohl heute nicht bei jedem Thema vornehmen können. Ich finde, wir Menschen müssen nicht alles machen, was wir können und überall zu jeder Zeit alles konsumieren können. Ja, Afrika ist weit weg, doch auch hier in Hessen kann sich jeder von uns fragen, ob zum Beispiel Erdbeeren im Winter und Tulpen im Herbst wirklich im Supermarkt verfügbar sein müssen? Vielmehr ist jeder Menschen aufgefordert, solche Fehlentwicklungen zu bemerken und sein eigenes Konsumverhalten auf den Prüffstand zu stellen. Dann können auch wir auf die Welt schauen und sagen, dass es gut ist.

 

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