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Mehr miteinander als übereinander

Mehr miteinander als übereinander

Rolf Müller
Ein Beitrag von

Rolf Müller,

Pastoralreferent Pfarrei Mariä Himmelfahrt, Frankfurt
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„Solange sie miteinander reden, hauen sie sich nicht“, diesen Satz hat uns mein alter Geschichtslehrer damals in der Schule oft gesagt, wenn es um Konflikte zwischen Ländern oder Gruppen ging. Heute, viele Jahre später weiß ich erst, wie wichtig diese Weisheit ist. Denn überall höre und lese ich das Wort „Spaltung“. Ich höre von der Spaltung zwischen Arm und Reich, zwischen Ost- und Westdeutschen, zwischen Rechts und Links, zwischen Alt und Jung. Wenn ich aufs Ausland schaue, könnte ich diese Liste fortsetzen: Fast überall gibt es „Spaltungen“. Dabei sehe ich: Viele Gruppen reden nicht mehr miteinander, sondern nur noch übereinander.

Auch bei mir in der Katholischen Kirche gibt es das. Denn auch da ist die Spaltung groß: Da gibt es Leute, die alles ändern wollen, und andere, bei denen alles so bleiben soll wie es ist, und ich sehe nur allzu oft: Auch dort wird mehr übereinander geschimpft als miteinander geredet! Deswegen war für mich die erste Versammlung des sogenannten „Synodalen Weges“ der katholischen Kirche Deutschlands vor knapp zwei Wochen in Frankfurt so wichtig. Denn da haben ganz unterschiedliche Menschen miteinander zu reden angefangen: Der Bischof mit einer Jugendlichen, ein Theologieprofessor mit der engagierten Frau aus der Kirchengemeinde, ein Priester mit der lesbischen Frau – all das habe ich dort sehen können. Mir ist klar: Es wird noch einen langen Weg brauchen, damit aus dem miteinander Reden ein gegenseitiges Verstehen und vielleicht sogar gemeinsame Lösungen werden. Trotzdem war ich davon beeindruckt, wieviel Mühe sich alle beim Zuhören gegeben haben.

Das gibt mir Hoffnung und es zeigt mir: Miteinander reden kann funktionieren. Denn ich weiß: Spaltung und Streit gibt es ja nicht nur in der großen Politik. Das gibt es auch bei mir zuhause, in meinem Freundeskreis, in der Familie, in meinem Stadtteil. Auch da muss ich mir immer wieder vornehmen: Ich will nicht aufhören, dem Anderen zuzuhören und mit ihm zu reden. Auch wenn das schwerfällt. Denn manchmal ist es leichter, über jemand anders zu lästern oder zu schimpfen. Dabei ist es so wichtig, dass wir miteinander reden. Denn nur das gibt echten Frieden – da hat mein Geschichtslehrer recht gehabt.

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