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Mancher Druck lässt nach
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Mancher Druck lässt nach

Dr. Joachim Schmidt
Ein Beitrag von

Dr. Joachim Schmidt,

Evangelischer Pfarrer, Darmstadt

Früher war alles besser? Stimmt so nicht. Vieles wandelt sich langsam zum Besseren. Zum Beispiel die Sache mit den Linkshändern. Bei den meisten Menschen ist die rechte Hand die dominante, deshalb schreiben sie rechts. Aber mindestens 15 Prozent der Menschen sind von Geburt an Linkshänder. Ob jemand besser rechts oder links schreiben kann, ist Veranlagung. Es hängt damit zusammen, welche Hirnhälfte dafür ausgebildet ist.

Bis in die 70er Jahre wurden Linkshänder in der Schule brutal zum rechts Schreiben erzogen und quälten sich damit. Ihre Schrift blieb ihr Leben lang krakelig. Dabei wusste die Wissenschaft damals schon, dass Linkshändigkeit angeboren und nicht etwa ein Defekt ist. Vier von fünf amerikanischen Präsidenten der letzten Jahrzehnte waren Linkshänder, Ronald Reagan, George Bush senior, Bill Clinton und Barack Obama.

Bei Linkshändern, die umerzogen werden, muss ihr Gehirn sich ein Leben lang ständig zusätzlich anstrengen, um die natürliche Veranlagung zu überwinden. Was für eine Energie-Verschwendung! Und doch glauben manche immer noch, Linkshänder hätten es in einer Welt der Rechtshänder einfacher, wenn sie ihre Natur unterdrücken würden. Sie sollten sich gefälligst anpassen, um nicht aufzufallen. Mir kommt das Argument bekannt vor. Beim Thema Homosexualität hat man das bis vor gar nicht langer Zeit auch gesagt.

Früher war alles besser? War es nicht, im Gegenteil. Es geht voran. Alte Zwänge lassen sich überwinden. Ich glaube, jeder kennt das, wie gut es tut, wenn man nicht in ein Schema gepresst wird, sondern sich frei entfalten darf. Aber es bleibt noch viel zu tun. Forscher vermuten, dass es immer noch unglaublich viele „heimliche“ Linkshänder gibt. Übrigens: Am Sonntag ist der „Internationale Tag der Linkshänder“.

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