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Lourdes: Die Nähe des Göttlichen spüren

Lourdes: Die Nähe des Göttlichen spüren

Alexander Matschak
Ein Beitrag von

Alexander Matschak,

Stellvertretender Pressesprecher des katholischen Bistums Mainz
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Meine Oma war damals mit ihrer Schwester hingefahren: nach Lourdes, in den berühmten französischen Wallfahrtsort in den Pyrenäen. Ihre Reise hatte einen Grund: Die Schwester meiner Oma, meine Großtante, hatte gerade eine schwere Krebserkrankung gehabt. Mit Chemotherapie und vielen Komplikationen. Es ist ihr wirklich nicht gut gegangen, sie war von ihrer Krankheit gezeichnet. Gemeinsam sind sie mit einer Pilgergruppe in den Süden Frankreichs gereist. Haben an den Gottesdiensten teilgenommen, vom Wasser der Heilquelle getrunken, gebetet und gesungen. Nach dem Besuch in Lourdes hat sich meine Großtante viel besser gefühlt. Der Krebs ist nicht wieder gekommen. Über 25 Jahre ist das jetzt her, und meine Großtante lebt immer noch.

Meine Oma ist sich nach diesem Besuch mit ihrer Schwester in Lourdes sicher gewesen: Das ist ein ganz besonderer Ort. „Ich glaube fest, dass dort das geschehen ist, was erzählt wird“, hat sie mir mal gesagt. Da war sie unerschütterlich. Und so wie ihr geht es den vielen Pilgerinnen und Pilgern, die jedes Jahr nach Lourdes fahren. Die an das glauben, was vor über 150 Jahren dort geschehen sein soll. Damals soll dem 14-jährigen Hirtenmädchen Bernadette Soubirous die Jungfrau Maria erschienen sein – erstmals am 11. Februar 1858. Eine junge Frau mit einem weißen Kleid soll sich ihr gezeigt haben – insgesamt 17 Mal. Sie soll ihr aufgetragen haben, an diesem Ort eine Kapelle errichten zu lassen. Außerdem legte Bernadette eine Quelle frei, deren Wasser als heilkräftig gilt.

Anfangs ist Bernadette Misstrauen entgegen geschlagen, man hielt sie schlichtweg für verrückt. Doch nach einiger Zeit haben dem Mädchen immer mehr Menschen geglaubt. Was folgt, ist eine Erfolgsgeschichte: 1862 bestätigte die Katholische Kirche ihre Visionen, und Lourdes wurde zu einem der weltweit meistbesuchten Wallfahrtsorte. Jährlich pilgern vier bis sechs Millionen Menschen nach Lourdes, und Tausende nehmen ein Bad im Quellwasser – in der Hoffnung auf Heilung.

Trotzdem: Auch wenn Millionen Menschen nach Lourdes pilgern. Für viele bleibt es ja eine ziemlich unglaubliche Geschichte. Warum sollte ein aufgeklärter Mensch des 21. Jahrhunderts noch an so etwas glauben. Wer Visionen habe, solle doch bitte zum Arzt gehen, hat ein Politiker mal gesagt. Für mich zeigt die Geschichte vor Lourdes aber vor allem eines: Viele Menschen haben eine Sehnsucht, die Nähe des Göttlichen zu fühlen. Die Nähe eines Gottes, von dem man sich ja kein Bildnis machen soll. Und deswegen machen sich Menschen auf Spurensuche. Auf Spurensuche an die Orte, wo sie die Nähe Gottes zu fühlen hoffen. Ob das die Geburtsgrotte in Bethlehem ist. Oder ob das die Via dolorosa und die Grabeskirche in Jerusalem sind. Oder die vielen anderen Wallfahrts- und Pilgerorte überall auf der Welt. Gottes Nähe spüren – ich glaube: Meine Oma und ihre Schwester haben das in Lourdes erfahren können.

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