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"Ich parshippe jetzt!" Adam sucht Eva
Bild: Gundula Vogel/Pixabay

"Ich parshippe jetzt!" Adam sucht Eva

Norbert Mecke
Ein Beitrag von

Norbert Mecke,

Dekan, Evangelischer Kirchenkreis Melsungen
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In paradiesischen Zeiten war Gott der Partnervermittler Nummer 1. Das wäre jedenfalls sicher das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage im Garten Eden gewesen. Das ist längst vorbei. Oder mindestens seit August 2019 – da wurde "Parship.de" zum "Testsieger Partnervermittlung" gekürt. Ihr Motto: "Alle 11 Minuten verliebt sich ein Single über Parship!" – also das wären jetzt schon am heutigen Sonntag etwa 40. Nicht schlecht! Obwohl: Wenn sich ein Single verliebt, heißt dass ja noch nicht, dass das auf Gegenliebe stößt.

Das war bei Adam – Gott sei Dank! – anders. Der fühlte sich so einsam im Paradies. Und Gott sagte sich: "Nicht gut!" und ließ seinen ersten Menschen einschlafen. Unter dieser Narkose nahm er einen chirurgischen Eingriff vor. Er entfernte ihm eine Rippe, so die Erzählung. Aus der Rippe schuf er Eva. Und morgens dachte Adam beim Aufwachen: "Ich parshippe jetzt!" Und er sah Eva, Gottes Geschenk, und es machte klick. "Bein von meinem Bein. Fleisch von meinem Fleisch." – so hält die Bibel sein begeistertes Staunen fest. Heißt in unserem Deutsch: "Passt! Wie für mich gemacht"

Schöne Geschichte. Aber so wenig man der Werbung mit dem "Alle-11-Sekunden-verliebt -sich ein -Single" richtig traut, so traut man ja nun auch nicht unbedingt der Geschichte von Adam und Eva. Klingt doch etwas sehr märchenhaft nach "Es war einmal".

Aber so soll es gar nicht klingen. Allerdings auch nicht nach einem Sachbericht aus einem "Was ist was"-Buch oder nach Forschungsergebnissen zur Prähistorie. Es soll klingen nach: "So ist es doch!" Was auf den ersten Seiten der Bibel geschildert wird, sind keine Urgeschichtchen von einst. Hier werden bildreich Urmomente des Menschseins und des Glaubens beschrieben.

Menschen fragen danach: Woher kommen wir? Woher kommt die Welt? Verdankt sich alles dem Zufall oder steckt eine Absicht dahinter? Menschen, die an Gott glauben, antworten so: "Und Gott schuf Himmel und Erde…". Wir sind gewollt. Sie und ich – von Anfang an.

Oder viele von uns spüren: Einsamkeit ist eine wirklich schlimme Erfahrung! Klar, wir sind gerne unabhängig, schätzen unsere Ruhe und machen gern unser Ding. Aber wenn wir richtig einsam sind, fühlen wir uns auch hilflos. Die alten Erzählungen halten fest: Der Mensch ist ein soziales Wesen: gesellig und auf Gemeinschaft hin angelegt.

Ich merke das jeden Tag: Wenn ich mit niemanden sprechen kann, fühle ich mich allein. Wie gut tun mir meine Familie und meine Freunde! Wenn ich mir ausmalen müsste auf immer allein zu sein: Das wäre die Hölle.

Nein. "Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei!" Das trifft den Nagel auf den Kopf: Es gehört zu den schlimmen Corona-Erfahrungen, dass Menschen alleine waren und sind. In Quarantäne, während des kompletten Lockdowns einsam in Pflegeeinrichtungen. Manche mussten einsam sterben: Niemand aus der Familie durfte bei ihnen sein. "Es ist ganz und gar nicht gut…" Es ist unmenschlich. Die Bibel hält als Ur-Erfahrung fest: Zum Adam gehört eine Eva.

Zum Mensch gehört ein Mitmensch!

Zum Mensch gehört ein Mitmensch. Oder geht es auch anders? Wie viele finden den besten Freund im geliebten Haustier? Ich staune darüber, welche Bedeutung mancher Vierbeiner für Frauchen oder Herrchen gewinnt.

Auch dazu steht schon was auf den ersten Seiten der Bibel. Bevor Gott Adam seine Eva schenkt, wird er auf das wunderbare Fleckchen Erde mit dem Auftrag gesetzt: "Bebaue und bewahre es!" Deshalb führt Gott Adam alle Tiere einzeln vor. Ein schönes Bild, wie sie alle vorbeiziehen. Er soll wissen, was es zu schützen gilt, und wie grandios vielfältig das Leben ist. Und: Die Vorführung ist zugleich wie ein Casting, ob sich da vielleicht ein Gegenüber für Adam findet. Und? Das Ergebnis?

Liebe Haustierfreunde, jetzt nicht böse sein: Manches Tierchen mag ein guter, treuer und liebenswerter Gefährte sein – und doch kommt es nicht als wirklich adäquates Gegenüber in Frage. Die ersten Seiten Bibel halten fest: Wir sollen mit großem Ernst und Eifer die Schöpfung und unsere Mitgeschöpfe bewahren. Wie oft müssen wir bis heute daran erinnert werden – zum Beispiel mit Verboten der Massentierhaltung oder mit einer Verordnung zum Gassi-Gehen. Wo aber mit Tieren umgegangen wird als wären sie Menschen, wird es auch schräg und unnatürlich.

Und nein, das setzt Tiere nicht herab. Die Erzählung veranschaulicht aber, dass ein echtes Gegenüber des Menschen andere Menschen sein müssen. Das lässt sich nicht ersetzen.

Die Bibel malt uns mit ihrer plastischen Sprache vor Augen: Gott hat dem Menschen etwas aus seiner Seite genommen, um daraus ein Gegenüber zu schaffen. Allein ist der Mensch einseitig – zusammen, im Miteinander wird er ganz. Ein Mensch braucht eine andere Hälfte, jemanden, dem er sich widmen kann: einen Mann, eine Frau, einen Freund, eine Freundin, ein Gegenüber einen Freundeskreis, an dem man sich reiben und schärfen kann, Menschen zum Lieben und Trösten, zum Geliebt- und Getröstet werden. Ein Hoch auf das "wir und uns"!

Ja, das singt aus den ersten Bibelseiten heraus. Sie sagen viel über den Menschen. Über seinen Auftrag für die Welt: guter Gärtner zu sein. Und über seine Sehnsucht: nach Nähe, nach Freundschaft und Partnerschaft. Sie ist in uns angelegt.

Menschen parshippen nicht erst jetzt, sondern schon immer und lebenslang. Brauchen andere. Brauchen Nähe und Halt.

Wie gut, wo wir anderen eine Eva oder ein Adam, ein hilfreiches Gegenüber sein können. Und wo wir immer mal wieder staunen wie am ersten Tag, wie wohltuend andere an unserer Seite sind.

Aber bevor das alles zu paradiesisch und harmonisch klingt: Es dauert ja bekanntlich am Anfang der Bibel nicht lange, bis es ordentlich knallt. Zwischen Adam und Eva, zwischen ihren Nachkommen, überhaupt zwischen den Menschen. Das ist doch auch eine Ur-Erfahrung durch alle Zeiten: Wir können nicht ohne einander, aber auch nicht immer miteinander. Es geht nie lange ohne Schuld – und sei es anfangs noch so paradiesisch: Ruckzuck ist man "jenseits von Eden".

Am Ende der großartigen Erzählung von der Erschaffung des Menschen allerdings malen die alten Worte ein schönes Bild. Da heißt es: "Und sie waren beide nackt, der Mensch und seine Frau, und schämten sich nicht."

Das ist weniger die biblische Begründung für FKK-Urlaube. Es geht viel mehr im übertragenen Sinn um die Erfahrung, nackt voreinander zu stehen:

Jemand sieht und kennt mich, wie ich bin, und er schämt sich trotzdem nicht für mich, sondern er steht zu mir. Meine Ecken und Kanten, meine Schuld muss ich nicht mehr verbergen, Menschen bleiben trotzdem an meiner Seite und halten zu mir. In all solchen Momenten erleben wir etwas von dem, wie Miteinander gedacht ist.

Wir sind wohl öfter "nackt" als wir denken: der kranke Mensch, der aller eigenen Kraft entkleidet ist. Der, der nicht mehr weiterweiß und es nicht verbergen kann. Und manchmal denken wir auch nur, einander perfekt vormachen zu können, wie gut uns alles kleidet und uns das Leben steht, bis jemand wie bei "Des-Kaisers-neue-Kleider" ruft: "Der ist ja nackt!" – Die strahlend weiße Weste: nur eingebildet – genauso wie die Fantasie, dass wir uns keine Blöße geben und stets moralisch adrett und stilsicher durch´s Leben gehen. Nein, je mehr wir einander kennenlernen, desto weniger können wir uns gegenseitig blenden.

Nackt und ungeschminkt stehen wir jedenfalls spätestens vor unserem Gott. Ihm können wir nichts vormachen. Kleider mögen Leute machen. Nicht vor Gott: Er hat uns Leute gemacht und weiß, wie wir sind.

Die ersten Bibelseiten halten aber die entscheidende Eigenschaft Gottes fest: Gott sieht, was nicht gut ist. Aber er schämt sich nicht für uns. Er sorgt sich um den Menschen und schafft Abhilfe. Der Glaube weiß: Auch das ist ein Grundmoment des Lebens!

Wenn Adam und Eva ein Fazit gezogen hätten am Ende des kleinen Berichts, hätte es wohl gelautet: "Wir sind gut umsorgt! – auch und gerade in allem, was nicht gut ist!" Ob die alte Erzählung dieses Fazit auch in unser Heute hineinzeichnet? Auch und gerade in allem, was nicht gut ist: Wir sind von Gott umsorgt!

Weil er sich nicht nur alle elf Sekunden in uns verliebt, sondern von ewig her verliebt in uns Menschen ist und es auf ewig bleibt.

Darauf vertraue ich. Oder wie man wohl neuhochdeutsch zum Glauben sagt:

Ich parshippe mit Gott!

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