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Heilige-Geist-Momente
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Heilige-Geist-Momente

Dr. Annegreth Schilling
Ein Beitrag von

Dr. Annegreth Schilling,

Evangelische Pfarrerin, Frankfurt
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Pfingsten hat mir gut getan. Immerhin hatten wir ja zwei Feiertage –wenn auch keine Pfingstferien wie in Bayern und Baden-Württemberg.
Vor zweitausend Jahren, da wurde Pfingsten nicht nur zwei Tage, sondern eine ganze Woche lang gefeiert. Pfingsten, das Fest des Heiligen Geistes. Es ist eines der bedeutendsten kirchlichen Feste – nach Weihnachten und Ostern versteht sich. Und doch erschließt es sich nicht sofort. Das liegt auch daran, dass Gottes Geist nicht leicht vorstellbar und fassbar ist. Damals, beim ersten Pfingsten, war er zu sehen und zu hören und zu fühlen.

Die biblische Pfingstgeschichte erzählt, wie der Heilige Geist vom Himmel herabkam wie ein Brausen und ein Sturm, wie helles Licht. Diese Geistkraft erfüllte die Menschen. Sie begannen, in verschiedenen Sprachen von Gott zu erzählen. Von Gottes großen Taten, so heißt es wörtlich.

Wie stelle ich mir heute Gottes Geist vor, wie erlebe ich ihn? Einfacher sind für mich Bilder von Gott als Vater und Mutter. Und auch Jesus Christus als Bruder und Freund – das ist mir eingängig. Gottes Geist ist nicht so leicht in ein Bild zu bringen. 
Zwei Grundschülerinnen aus meinem Religionsunterricht haben sich da mal rangewagt und Gottes Geist gemalt. So, wie sie ihn sich vorstellen: Sie haben eine Flasche gezeichnet, aus der ein Geist emporsteigt. Über seinen Kopf malten sie ein Heiligenschein. Das war in ihren Augen ein „Heiliger Geist“. Ziemlich gewagt, Gottes Geist als Flaschengeist. Das erinnert mich eher an Aladin und die Wunderlampe. Da gibt es ja einen Geist aus der Flasche, einen, der Wünsche erfüllt.

So ist Gottes Geist nicht, er ist kein williger Diener, der mir alle meine Wünsche erfüllt und mir Erfolg und Reichtum beschert. Und doch gefällt mir was am Flaschengeist-Bild der Schülerinnen. Denn es ist ein dynamisches Bild. Es zeigt eine Befreiung aus der Enge hinaus in die Weite. Und das berührt die biblischen Bilder von der Heiligen Geistkraft: Denn sie ist dynamisch und bringt mein Leben in Schwung. Und sie führt ins Weite. Die Geistkraft Gottes befreit von aller religiösen Engstirnigkeit, dass der Glaube nur so oder nur so gelebt werden kann. Der Heilige Geist ermuntert mich von meinem christlichen Glauben zu erzählen. Davon, wo und wie ich Gott in meinem Leben spüre: Wo Gott mein Leben in Schwung gebracht hat, als ich selbst keine Kraft mehr hatte. Wie Gott mir Worte geschenkt hat, als ich sprachlos war. Diese Momente, das sind für mich Sternstunden, in denen ich Gottes Geist erleben kann. Ich nenne sie Heilige-Geist-Momente. Sie befreien mich von trägen Gedanken des „Ich kann nicht mehr“, von der Gleichgültigkeit des „Dazu kann ich nichts sagen“. Ich nehme mir vor, in dieser Woche genau hinzuspüren, wann ich solche Heilige-Geist-Momente erlebe. 

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