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Gott in einem Zelt

Gott in einem Zelt

Andrea Maschke
Ein Beitrag von

Andrea Maschke,

Pastoralreferentin im Zentrum für christliche Meditation und Spiritualität, Frankfurt
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Direkt an der hessisch- bayrischen Grenze, genauer gesagt an der hessisch-fränkischen Grenze, liegt das Städtchen Kahl. Viele kennen den Ort wegen seiner Seen und wegen des großen Campingplatzes. Am Samstag werde ich mit einer Gruppe rund um Kahl wandern gehen. Bei der Vorbereitung der Tour sind eine Freundin und ich in der Nähe des Campingplatzes auf eine moderne Kirche gestoßen, die uns schon äußerlich auffiel, die Liborius-Wagner-Kirche: Wie ein großes Zelt sieht sie aus. Auch innen hat sie mich an eine Jurte, so ein Pfadfinderzelt erinnert, oder an ein Tipi, nur eben größer. Die Bänke stehen im dreiviertel Kreis um den vorgezogenen Altar, und ganz in der Mitte des Daches gibt ein Fenster den Blick zum Himmel frei.

Natürlich ist diese Kirche fest gebaut und lässt sich, anders als eine Jurte, nicht mal schnell verstauen und nach Nomadenart mit auf den Weg nehmen. Aber, so erklärt es eine kleine Tafel am Kircheneingang: Die Gemeinde ist aus den Campingplatzgottesdiensten entstanden und die Kirche steht auch für das Zelt Gottes unter den Menschen. Diese Vorstellung findet sich schon in der Bibel.

Im Alten Testament wird erzählt, wie die Stammväter und -mütter als Nomaden durch die Gegend zogen. Und das Volk Israel, so heißt es, musste 40 Jahre durch die Wüste ziehen, bevor es endlich ankam im „gelobten Land“. Ihr Heiligtum hatten sie in Form der Bundeslade dabei immer dabei, eben in einem Zelt. Auch Jesus war ein Wanderprediger, der von Ort von Ort zog und so immer neuen Menschen begegnet ist. Und so ähnlich scheinen es anschließend viele Apostel gemacht haben, allen vorweg Paulus, der weite Strecken gereist ist, über Land, aber auch zu Schiff und überall Gemeinden gegründet hat.

Es wird erzählt, dass man die ersten christlichen Gruppen „die Leute vom neuen Weg“ nannte. Dieses Bild der Weggemeinschaft gefällt mir unheimlich gut, nicht nur, weil ich selbst gerne wandere. Weggemeinschaft heißt für mich, sich auf immer neue Situationen einstellen, nicht starr, sondern beweglich bleiben. Da ist es wichtig, sich gemeinsam zu einigen übers Lauftempo und die Richtung an den Wegkreuzungen. Schließlich wollen wir irgendwann ankommen am Ziel, immer drauf vertrauend, dass Gott auch unterwegs schon dabei ist. Weggemeinschaft bedeutet auch, dass sich Menschen der Gruppe anschließen können und es auch möglich ist, dann wieder allein auf eigenen Wegen zu gehen… vielleicht um später wieder dazu zu stoßen. Ich freue mich darüber, dass Wallfahren und Pilgern, also mit Gott unterwegs zu sein, gerade immer beliebter wird.

Es gibt ein schönes modernes Kirchenlied, das einen Satz aus einem Brief von Paulus auf nimmt. In diesem Lied heißt es: „Wir haben hier keine bleibende Stadt, aber die kommende suchen wir, wir haben hier auch kein bleibendes Haus, aber ein Zelt, ein Zeit der Begegnung mit dir.“ Dieses Lied werden wir am Samstagmorgen beim Zwischenstopp in der Kahler Zeltkirche wohl singen.

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