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Geburtstag feiern
Bildquelle: Reinhard Thrainer/Pixabay

Geburtstag feiern

Jens Haupt
Ein Beitrag von

Jens Haupt,

Evangelischer Diakoniepfarrer, Bad Hersfeld
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Zugegeben, ich hab mich auf den letzten Drücker entschieden, meinen Geburtstag zu feiern.

Zugegeben, am Jahresanfang hatte ich auch kein Save the Date verschickt. Ich hab auch niemanden zwischendurch erinnert, dass ich Geburtstag habe. Hätte ich machen sollen. Am besten eine Frist setzen, bis wann man sich anmelden kann. Habe ich aber nicht.
Ich habe einfach darauf vertraut, dass Freunde und Familie seit Jahren wissen, dass ich immer am gleichen Tag Geburtstag habe. Das war wohl zu kurz gedacht. Ich habe etliche Absagen bekommen, mit ganz vielen verschiedenen Gründen. Wir können nicht, würden ja gern, aber dies oder das liegt schon lange fest, wir sind schon vergeben.

Am Abend selbst dann saßen meine Frau und ich erwartungsfroh in der Küche. Alles war rechtzeitig fertig geworden, sogar umziehen konnten wir uns noch. Es blieb still. Eine Viertelstunde verstrich, eine halbe. Ich wurde unsicher, las meine Einladung zur Sicherheit noch einmal durch. Ja, da stand eindeutig, ich erwarte euch um halb acht Uhr abends, auch das Datum stimmte. Etwas später versuchte ich Nachrichten zu schicken an die wenigen, die doch kommen wollten. Wo bleibt ihr? Erst war ich ungeduldig. Dann hab ich mich geärgert. Geholfen hat es aber nichts.
Endlich, eine Stunde und ein Viertel später das erste Klingeln. Richtig erleichtert und fröhlich war ich da noch nicht. Das kam erst allmählich im Laufe des Abends. Man hat mir den Frust angesehen. Der Abend wurde trotzdem nett. Was war eigentlich passiert?

Ich habe es den Lukas 14 Effekt genannt. In diesem Kapitel des Lukasevangeliums erzählt Jesus ein Gleichnis von einem Gastgeber, dem seine Gäste einer nach dem anderen absagen. Alle mit wichtigen Entschuldigungen. Anstatt verständnisvoll „schade“ zu sagen, bittet der Gastgeber Menschen von der Straße, von den Hecken und Zäunen zu sich ins Haus. Und er feiert. Das ist der Unterschied. Jesus erzählt von einem, der sich das Feiern nicht nehmen lässt.

Zum Glück hab ichs mir ja auch nicht nehmen lassen. Und nächstes Jahr lade ich bestimmt viel früher ein. Feiern will ich das Leben auf jeden Fall.

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