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From a distance
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From a distance

Gabriele Heppe-Knoche
Ein Beitrag von

Gabriele Heppe-Knoche,

Pfarrerin, Leitung Evangelisches Forum Kassel
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„From a distance“ – Das Lied von Bette Middler aus den 80er Jahren tönt aus dem Radio. Ich habe es schon lange nicht mehr gehört. Vielleicht höre ich deshalb nicht nur die Musik, sondern diesmal auch die Worte. „From a distance the earth looks blue and green“. So beginnt es. Aus der Ferne betrachtet sieht die Erde blau und grün aus.

Ich denke daran, dass ich demnächst in den Süden fliegen werde. Und dass ich die Erde dann von oben genau so sehen werde. Mit Abstand. Die Berge grün, braun und weiß. Später dann das blaue Meer. Klein wirken von oben die Straßen, Städte und Industrieanlagen. Aus der Ferne betrachtet ist die Erde einfach schön.

Inzwischen singt Bette Middler: From a distance we all have enough – Aus der Ferne betrachtet haben wir alle genug. Ja, aus der Ferne betrachtet stimmt das. Diese wunderbare Erde bringt genug hervor, um alle Menschen zu ernähren. Aus der Nähe betrachtet, sieht man, wie ungerecht die Güter verteilt sind. Wie Menschen sich bekämpfen und wie Menschen und Tiere, ja die ganze Schöpfung auch leiden müssen. Was man dann sieht, ist manchmal nur schwer auszuhalten. Man könnte verzweifeln über all das Unrecht und das Leid in der Welt.

Genau diesem Blick will das Lied entkommen: Dem Blick, der sich verliert im Elend und den ungelösten Konflikten. Dem Blick, dem die Hoffnung abhanden kommt. „From a distance“- das Lied wirbt für den Blick aus der Ferne, aus dem Abstand heraus. Da sieht man anders. Man verhakt sich nicht im Kleinen. Aus der Ferne betrachtet sieht manches gar nicht so schwierig aus. Aus der Ferne betrachtet sieht man eher, worauf es ankommt und dann erscheinen Konflikte lösbar und der gute Wille der anderen gar nicht so unwahrscheinlich. Der räumliche Abstand weitet den Blick und damit weitet sich oft auch das Herz. Man ist milder gestimmt und kann großzügiger sein. Gute Voraussetzungen für einen entspannten Alltag mit anderen zusammen.

Für mich überraschend singt Bette Middler am Ende des Liedes: „God ist watching us from a distance, Gott beobachtet uns aus der Ferne“. So also sieht Gott uns. Aus der Ferne mit einem weiten Blick. Dieser Blick verfängt sich nicht in den Unzulänglichkeiten und Fehlern. Er nimmt sie wahr und ordnet sie ein in das große Ganze.

Dieser Blick zeigt, was auf dem Spiel steht, was es zu bewahren gilt und wofür es sich einzusetzen lohnt. Das Lied lädt dazu ein, so auf das Leben, auf die Welt zu schauen. Mit Gottes Augen sehen. Das Schöne in den Blick nehmen und auch die Konflikte sehen. Und dabei nicht die Hoffnung verlieren, sondern den Mut zum Handeln zurückgewinnen. Das ist ein guter Gedanke für den Tag. Mit einem solchen Blick lässt es sich leben.

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