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Frieden zwischen den Religionen ist möglich

Frieden zwischen den Religionen ist möglich

Uwe Groß
Ein Beitrag von

Uwe Groß,

Katholischer Diakon, Pfarrei St. Peter und Paul, Wiesbaden
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 „Religion darf niemals eine Rechtfertigung für Hass und Gewalt sein.“ Das hat vor drei Wochen Bundespräsident Frank Walter Steinmeier gesagt. Er war zu dem Treffen „Religions for Peace“ – Religionen für den Frieden an den Bodensee gekommen. Tausend Vertreter aller wichtigen Weltreligionen waren zusammengekommen, um Wege aus der Hass- und Gewaltspirale zu suchen. Ähnliche Treffen hatte es in den letzten Jahrzehnten gegeben, die Päpste Johannes Paul, Benedikt und Franziskus haben zum Beispiel nach Assisi zum Friedensgebet der Religionen eingeladen. Das ist für mich der richtige Weg: Menschen unterschiedlichen Glaubens kommen zusammen, um das in den Vordergrund zu stellen, was sie eint: ihre Menschlichkeit und der Glaube an eine höhere Macht. Die Weltreligionen kommen an einem Ort zusammen, um in Frieden zu beten. Jeder nach seiner Weise. Und um im Frieden miteinander zu diskutieren. Das hatte  für mich etwas von einer großen Verheißung, die in der Bibel so klingen: „Finsternis bedeckt die Erde und Dunkel die Völker, doch über dir geht leuchtend der Herr auf, seine Herrlichkeit erscheint über dir. Völker wandern zu deinem Licht und Könige zu deinem strahlenden Glanz. Blick auf und schau umher: Sie alle versammeln sich und kommen zu dir.“ (Jesaja 60, 2-4) In diesem Abschnitt aus dem Alten Testament beschreibt der Prophet Jesaja die Völkerwallfahrt von Menschen der ganzen Erde zu Gott hin. Wenn Menschen verschiedener Religionen zusammenkommen, um an einem Ort zu beten, dann ist das schon ein Zeichen für Frieden. Es geht dann nicht ums Recht haben: Wer von uns hat den richtigen Gott? Sondern es geht darum, dass einer den anderen in seiner Verschiedenheit annimmt.

Religionen gehen ja oft genug auch ganz anders miteinander um: Menschen verschiedenen Glaubens bekriegen und verdächtigen sich. Und manchmal kommt einem da Frieden richtig utopisch vor. Genau den greift eine andere Vision vom Propheten Jesaja auf. Er schreibt:  Eines Tages werden Wolf und Lamm sich verstehen und Panther und Böcklein werden Freunde, der Löwe frisst Stroh wie das Rind (Jesaja 11,6). Ist das nicht genauso eine fromme Vision wie der Frieden zwischen den Religionen?  Ich glaube, dass das möglich ist: Frieden unter den Religionen. Wenn ich den anderen nicht zwanghaft missionieren will, sondern ihn sein lasse, was er ist. 

Für mich ist das Zeichen der Päpste oder auch das Treffen „Religions for Peace“ ein Ansporn für mich selbst. Ich gebe zu, mir ist der Islam fremd – oft nehme ich nur die dunkle Seite dieser Religion wahr.  Mir ist auch die Denkwelt des Hinduismus mit seinem Kastensystem fremd. Aber die gelungenen interreligiösen Treffen sagen mir: Geh auf den anderen zu, schlag zu ihm eine Brücke und rede mit ihm. Ihr könnt Freunde sein und müsst keinen Kampf der Kulturen kämpfen. Nehmt euch in eurer Verschiedenheit an.

 

 

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