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Freiheit und Geborgenheit

Freiheit und Geborgenheit

Christoph Schäfer
Ein Beitrag von

Christoph Schäfer,

Katholischer Religionslehrer, Rüsselsheim
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Meine Familie schmunzelt zwar, aber es ist nun mal so: Vor kurzem hab ich endlich mal die dicke Biografie über Friedrich Schiller zur Hand genommen, die schon lange ungelesen im Regal stand. Und seitdem hat mich hat ein richtiger Schiller-Fimmel gepackt. Mich begeistert vor allem der Mut, mit dem sich der junge Schiller für seine Ideale eingesetzt hat. Besonders für die Freiheit.

Schillers schwerer Start als Autor 

Vor rund 250 Jahren ist das eine gefährliche Haltung gewesen: Schiller musste deswegen vor seinem despotischen Landesherren aus Stuttgart fliehen. Das war damals in Deutschland kein guter Start für eine Karriere als Autor. Wenig später war Schiller mit knapp zwanzig Jahren finanziell ruiniert. Seine Karriere quasi am Ende.

Da hat Schiller durch eine Gönnerin die Gelegenheit bekommen, sich unter falschem Namen in das thüringische Dorf Bauerbach zurückzuziehen. Das war ein positiver Wendepunkt in seinem Leben: Hier hat er etwa sechs Monate lang neue Kraft geschöpft. Und ist als Schriftsteller neu durchgestartet.

Beim Lesen hab ich gedacht: Dort in Thüringen möchte ich gern mal auf Schiller-Spurensuche gehen. Kurz darauf hat sich die Chance ergeben: Wir haben mit der Familie  einen Schneeausflug zur Wasserkuppe gemacht – und von da aus sind es nur fünfzig Fahrminuten ins Schillerdorf. Ich konnte alle zum Mitkommen überreden, obwohl - oder gerade weil -  das kleine Museum dort derzeit geschlossen ist.

Authentische Spuren Schillers in Thüringen

Ich wurde nicht enttäuscht. Denn man kann hier Authentisches und Kurioses entdecken: Im Gasthaus hängt etwa die Kopie einer Rechnung, die Schiller nie bezahlt hat. „Die wollten schon viele Schillerfans nachträglich begleichen“, erzählt der heutige Betreiber schmunzelnd und betont, dass die Schulden verjährt seien. Vor allem hat mich aber die Atmosphäre in Bauerbach beeindruckt: Hier, hinter sanften Hügeln, nur durch schmale Straßen mit der Außenwelt verbunden, kann man Ruhe finden. Geborgenheit und Kraft tanken für neue Freiheitskämpfe.

Bei der Abreise hab ich gespürt: Der Ort ist zwar kein Literaturtourismus-Hotspot wie Weimar. Aber ich hab hier wirklich etwas mitgenommen. Nämlich eine große Portion Respekt für Menschen, die wie Schiller für die Freiheit viel aufs Spiel setzen. Auch heute gibt´s die ja. Mitgenommen hab ich auch den Vorsatz, selbst im Alltag noch mehr Zivilcourage zu zeigen. Um das zu bewahren, was ich heute dank Persönlichkeiten wie Schiller genießen kann. Und leider oft für selbstverständlich nehme: Freiheit.

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