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Einen Kompass fürs Zusammenleben haben
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Einen Kompass fürs Zusammenleben haben

Martin Vorländer
Ein Beitrag von

Martin Vorländer,

Evangelischer Pfarrer und Theologischer Redakteur im Medienhaus Frankfurt

Frank-Walter Steinmeier, der Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten, hat einmal gesagt: Wenn er Politik macht, gibt er seinen Glauben nicht an der Garderobe ab. Steinmeier ist engagierter evangelischer Christ. Natürlich macht er die tägliche Krisenpolitik nicht mit der Bibel in der Hand. In der Bibel findet sich keine Handlungsanweisung, wie man den Ukraine-Konflikt löst oder in Syrien Frieden stiftet. Steinmeier sagt: Die Bibel ist für ihn kein Navi, sondern eine Art Kompass. Er kann daran überprüfen: Habe ich das Richtige getan? Habe ich genug getan?

Nein, man muss nicht Christin oder Christ sein, um Bundespräsident zu werden. Auf der Suche nach Kandidaten war dieses Mal sogar mal für kurze Zeit ein Muslim im Gespräch, der Schriftsteller Navid Kermani. Und natürlich engagieren sich viele für unsere Gesellschaft, die keine Religion haben, die nicht an Gott glauben.

Egal ob Atheistin oder Christ, wir brauchen an der Spitze unseres Staates Menschen, die einen Kompass haben und Orientierung geben können: Welche Richtung schlagen wir in unserem Land ein? Nach welchen Werten will ich als Einzelner leben? Und was ist wichtig für unser Zusammenleben?

Außerdem muss ein Bundespräsident (oder eine Bundespräsidentin) selbstkritisch sein. Im höchsten Amt, das unsere Demokratie zu vergeben hat, steht man eben nicht selbstherrlich über den anderen. Sondern man muss sich ständig fragen: Habe ich das Richtige getan? Habe ich genug getan?

Dafür ist die Bibel ein guter Kompass. Ihre Kompassnadel zeigt in Richtung Nächstenliebe, Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung. Den Weg dorthin müssen wir freilich demokratisch ausdiskutieren und finden.

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