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Ein Gutschein für etwas
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Ein Gutschein für etwas

Dr. Ulf Häbel
Ein Beitrag von

Dr. Ulf Häbel,

Evangelischer Pfarrer, Laubach-Freienseen
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Auf meinem Schreibtisch liegt ein Gutschein, den hat mir jemand zum Geburtstag geschenkt. Ich kann damit ein Buch einkaufen, das mich interessiert und das ich gerne lesen will.

Für mich heißt das: Da hat jemand an mich gedacht, das wollte er mir zeigen, mir damit etwas Gutes tun. Und wenn ich den Schein einlöse, ein interessantes Buch damit kaufe, dann denke ich an denjenigen, der mir den Gutschein geschenkt hat. Vielleicht sage oder scheibe ich ihm, welches Buch ich mir davon gekauft habe oder erzähle ihm sogar aus seinem Inhalt.

Ich verschenke solche Gutscheine gelegentlich auch. Dann fange ich an zu überlegen, welcher passend ist. Verschenke ich einen Einkaufsgutschein, einen Kinoeintritt, eine Konzertkarte, einen Tankschein. Schon der Gedanke an den Menschen, den ich damit erfreuen will ist gut.

Einer meiner Söhne, der im Marketing arbeitet, hat mir gesagt, ich sollte das mal nicht überfachten. Das macht man heute so. Die Leute wüssten eben nicht, was sie sonst schenken sollten. Es hat ja jeder alles und so greifen sie eben zu einem Gutschein.

Doch so einfach tue ich das nicht ab.

Kürzlich habe ich einem Menschen, der in unserer Gemeinde viel ehrenamtlich arbeitet, einen Gutschein zum Einkauf in unserem Dorfladen geschenkt. Er hat mir erzählt, was er davon gekauft hat – Bauernbrot und Fleischwurst, Gemüse und eine Flasche Wein. Als der mir das erzählte, hörten ein paar Leute zu. Die saßen wie wir beide in der Café-Ecke des Ladens. Einer bemerkte ganz trocken: „Ich hätte gar nicht gedacht, dass ein Gutschein so viel wert ist, dass man sogar darüber schwätzt.“

Mir gefällt dieser Gedanke: Der Gutschein ist nicht nur eine Verlegenheitslösung, weil ich nicht weiß, was ich sonst schenken kann. Er ist ein Zeichen dafür, dass ein Mensch an einen anderen denkt, überlegt was vielleicht überraschen kann. Wenn ich so einen Gutschein verschenke, schreibe ich manchmal handschriftlich einen Gruß dazu. Und der Empfänger spürt, dass ich an ihn gedacht habe, ihm eine Freude machen, etwas Gutes tun wollte. Wenn’s gepasst hat, wird er mir das sagen, wenn’s nix war, schweigen wir darüber. Beide Erfahrungen gibt es.

Ein Sprichwort formuliert sie so: Was man Dir Gutes getan hat, das meißle in Stein, damit es die anderen erfahren. Was man dir Böses angetan hat, das schreibe in den Sand, damit es der Wind verweht. Das Gute weiter zu tragen, macht das Leben reicher.

Diese Erkenntnis steht in vielen Weisheitssprüchen der Bibel, die über dreitausend Jahre alt sind: Tu Gutes und rede darüber; sei dankbar für jede Erfahrung der Güte; teile das Gut, das dir widerfährt. Und freu dich über alles, was gut ist.

In der biblischen Mythologie von der Entstehung der Welt, heißt es so: Da schuf Gott Himmel und Erde. Und es war gut. Er trennte Land von Meer, also die unterschiedlichen Lebensräume. Und es war gut. Dann wimmelte es in den Lebensräumen, Tiere im Meer, auf der Erde, in der Luft. Und das war gut. Dann kam der Mensch, Gottes Ebenbild in diese Schöpfung. Und das war gut.

Wir entsprechen dieser Bestimmung Gottes Ebenbild in der Vielfalt des geschaffenen Lebens zu sein, indem wir Gutes weitersagen und tun.

Vielleicht ist so ein Gutschein, den ich gezielt und überlegt jemandem schenke und mit guten Wünschen versehe ein Zeichen für den Glauben an den guten Ausgang aller Dinge.

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