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Die Welt ist veränderbar
Bild: Pixabay

Die Welt ist veränderbar

Ein Beitrag von

Helwig Wegner-Nord,

Evangelischer Pfarrer, Frankfurt

Erster Schultag im neuen Jahr, für viele der erste Arbeitstag. Spätestens ab heute ist wirklich wieder Alltag. Und wie fühlt es sich an – dieses 2016? Alles wie gehabt? Der gleiche Rhythmus, derselbe Trott wie 2015, 2014 und all die Jahre davor? Trotz der „guten Vorsätze“, die sich mancher in der Sylvester-Nacht insgeheim oder lauthals vorgenommen hat. Dass manches so bleibt, wie es war und ist, finden wir ja gut. Wenn wir gesund sind, wollen wir es bleiben. Wenn wir arbeiten können und unser Auskommen haben, soll sich auch daran nichts ändern. Natürlich nicht.

Aber daneben gibt es auch das andere, was uns nicht gefällt und was wir gerne anders hätten. Und da spüren wir oft, dass wir es nicht hinkriegen, uns zu ändern. Dass wir immer noch nicht mit unseren schlechten Gewohnheiten klar kommen zum Beispiel. Dass wir von anderen – aber auch von uns selbst – in einer Rolle gesehen und festgehalten werden, die wir doch längst nicht mehr spielen wollen. Wir sehen, dass wir verstrickt sind in unheilvolle Zusammenhänge und kommen irgendwie nicht raus. Wir leben auf Kosten anderer, wir verbrauchen Ressourcen zu Lasten unserer Kinder und Enkel, wir schauen zu und greifen nicht ein.

Die Theologin Dorothee Sölle hat vor gut 40 Jahren ein Buch geschrieben mit dem Titel „Das Recht, ein anderer zu werden“. Die Religion, schreibt sie, klagt dieses Recht ein, das Recht, ein anderer zu werden. Religion hält die Sehnsucht wach, dass das, was ist, nicht alles ist. Und dieses Recht, sich zu ändern, ein anderer zu werden, gilt für alle. Niemand muss so bleiben, wie er oder wie sie ist. Wenn Dorothee Sölle vom Recht spricht, ein anderer zu werden, beruft sie sich auf Jesus. Der hat die Welt für veränderbar gehalten und den Menschen Veränderung zugetraut.

In den ersten Tagen eines neuen Jahres kann ich mir ruhig mal die Zeit dafür nehmen, mir das klar zu machen. Wo kann ich etwas beibehalten, wie es ist? Wo muss sich etwas ändern? Und wo will ich ein anderer werden? Könnte ja sein, dass wir uns deswegen so schwer tun, uns zu ändern, weil uns nicht klar ist, dass wir ein Recht darauf haben.

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