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Die Amazonas-Synode

Die Amazonas-Synode

Andrea Maschke
Ein Beitrag von

Andrea Maschke,

Pastoralreferentin im Zentrum für christliche Meditation und Spiritualität, Frankfurt
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Seit Sonntag trifft sich in Rom auf Einladung des Papstes die sogenannte Amazonas-Synode. Die meisten der Teilnehmerinnen und Teilnehmer sind aus Südamerika angereist, aus den sieben Ländern, auf deren Gebiet sich Amazonien erstreckt. Allein die Fläche, die von Regenwäldern bedeckt ist, ist größer als die EU, riesig also.

Die Waldbrände und die im Regenwald werden immer dramatischer. Das beschäftigt und beunruhigt auch die internationale Politik. Schließlich gilt Amazonien als die grüne Lunge der Erde und ist damit höchstrelevant für das weltweite Klima. Erst Anfang September fand der internationale Amazonasgipfel in Kolumbien statt.

Bei der Amazonassynode in Rom kommen zuallererst die Menschen zu Wort, die in der Region leben. Die Indigenen, also die Vertreterinnen und Vertreter der indianischen Bevölkerung, und die im Amazonasgebiet lebenden Bischöfe setzen sich zusammen mit Expertinnen und Experten aus aller Welt, mit verschiedenen Kirchenvertretern , allen voran mit Papst Franziskus. Und es geht um die Kirche, genauer um die Frage, wie eine Kirche aussieht, die das vielfältige Leben im Amazonasgebiet schützen, fördern und unterstützen kann. Wie muss so eine Kirche organisiert und strukturiert sein, damit sie all diesen Herausforderungen gerecht wird, damit sie wirklich Gottes Geist und Segen vermitteln kann?

Da sind einerseits die Menschen, deren Existenz zunehmend bedroht ist. Durch gezielte Brände und massive Rodungen, aber auch durch den Bau von Straßen und Staudämmen werden sie von dem Land vertrieben, auf dem sie schon seit vielen Generationen leben. Sich dagegen zu wehren, die Stimme zu erheben, das kann lebensgefährlich sein.

Ich kann mir nur schwer vorstellen, was es heißt, wenn jemand, der gewohnt ist, in und mit der Natur zu leben, gezwungen ist in ein Armenviertel in der Stadt umzuziehen. Bestimmt bedeutet es Armut und Arbeitslosigkeit, möglicherweise Krankheit und Depression, vielleicht Flucht in Alkohol und Drogen. Die Jugendlichen werden sich rasch der städtischen Kultur zuwenden, und so verschwindet der Erfahrungs-Reichtum der Kulturen.

Und dann ist da das Land, die Natur, die ebenso ausgebeutet und ihrer Schätze und Fähigkeiten beraubt wird wie die Bevölkerung - mit Konsequenzen für das Überleben auf dem gesamten Planeten. Die Amazonas-Synode setzt da auf eine ganzheitliche Ökologie.

Für die Menschen im Amazonasgebiet gehören diese verschiedenen Dimensionen zusammen: Sie wünschen sich – so haben sie es selbst formuliert - , „im Einklang mit sich selbst, mit der Natur, mit den Menschen und mit dem höchsten Wesen leben zu können“, weil doch alles miteinander verbunden ist. Für diesen Zustand gibt es unterschiedliche Namen in den unterschiedlichen Sprachen des Amazonasgebietes. Auf Spanisch nennen sie es einfach „Buen vivir – das gute Leben.“

Das klingt gut. Ich jedenfalls hoffe, dass die Amazonas- Synode den Menschen in Amazonien hilft, und – wer weiß – auch in der Kirche als ganzer Spuren hinterlässt.

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