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Advent - Türen auf, Erwartungen hoch
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Advent - Türen auf, Erwartungen hoch

Martin Vorländer
Ein Beitrag von Martin Vorländer, Evangelischer Pfarrer und Rundfunkbeauftragter für den hr, Frankfurt
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Advent ist die Zeit der Erwartung. Sonst habe ich mich manchmal gefragt: Ja, was erwarte ich denn eigentlich? Und es fiel mir schwer, meine Erwartungen genau zu benennen. Natürlich immer so etwas wie glücklich sein, Gesundheit, Liebe, Familie und Freundschaft, Erfolg bei dem, was ich tue, und im größeren Maßstab Frieden, Gerechtigkeit und dass die Schöpfung bewahrt bleibt.

"Ich mache meine Erwartungen groß"

Aber genauer waren meine Erwartungen in der Adventszeit sonst nicht. Das ist dieses Jahr anders. Ich habe Erwartungen. Und ich nehme die Adventszeit beim Wort und mache meine Erwartungen groß. Schließlich gehört zur Adventszeit der Psalm aus der Bibel: „Machet die Tore weit und die Türen in der Welt hoch, dass der König der Ehre einziehe!“

Viele Hoffnungen für das neue Jahr

Ich mache meine Erwartungen weit und meine Hoffnungen hoch. Ich erwarte, dass diese Pandemie so bald wie möglich im neuen Jahr ein Ende findet. Ich erwarte, dass die Welt aufatmen kann – frei aufatmen und unmaskiert ausatmen. Ich sehne mich nach der Zeit, in der ich nicht mehr den anderen meiden muss wie die Pest, nicht mehr ständig auf Abstand achten, wenn ich jemandem begegne.

Endlich wieder eine Umarmung spüren...

„Machet die Tore weit und die Türen in der Welt hoch, dass der König der Ehre einziehe!“ Ja, Gott soll einziehen, nahe kommen. Ich erwarte Nähe. Ich brauche mal wieder eine Umarmung ohne Angst vor Ansteckung. So eine lange Umarmung, bei der man am Ende nicht mehr weiß, warum man sie gebraucht hat. Ich freue mich auch wieder auf die kleinen Umarmungen, kurz, aber herzlich.

Endlich wieder Gäste empfangen können...

„Machet die Tore weit und die Türen in der Welt hoch!“ Ich freue mich darauf, wenn ich wieder ins Theater gehen kann und ins Restaurant. Ich sehne mich danach, endlich wieder meine Haustür für andere aufzumachen. Nicht mehr „Mal sehen, ob wir uns treffen können “ – sondern: Kommt zu Besuch! Ja, ihr könnt übernachten! Wir haben genug Platz. Wir machen eine große Tafel zu sechst, zu zwölft, so viele, wie um den Tisch und in den Raum passen. Jedes Zimmer voll mit Menschen, die plaudern, lachen, tanzen, auf das Leben anstoßen.

Endlich wieder zusammen Musik machen...

Ich freue mich auch auf die kleinen Treffen, auf mein Trio mit Querflöte, Bratsche und Cello, wenn wir wieder dicht beieinander spielen können, die Flöte ihre Läufe bläst, die Bratsche die Melodie umspielt und das Cello dazu die warme Grundierung gibt, wenn wir keinen Gedanken an Aerosole verschwenden müssen und einfach Musik in der Luft liegt.

„Machet die Tore weit und die Türen in der Welt hoch!“

„Machet die Tore weit und die Türen in der Welt hoch!“ Ja, in der Welt! Es geht nicht nur um mich, nicht nur um uns in Deutschland oder um uns in Europa. Es geht um die Welt. Darum, dass sich die einzelnen Länder nicht abschotten und kleinlich darauf schauen, dass sie sich als erste genügend Impfstoff sichern. Der Advent denkt groß im Weltmaßstab. Die Tore weit und die Türen in der Welt hoch! 

Das alles und noch viel mehr erwarte ich in diesem Advent 2020. Und ich erwarte, Gott, dass du das hörst.

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