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Der Ausbruch des Vulkans Tambora
Bildquelle Pixabay

Der Ausbruch des Vulkans Tambora

Andrea Maschke
Ein Beitrag von

Andrea Maschke,

Katholische Pastoralreferentin in Bad Homburg / Friedrichsdorf

Ein bisschen über 200 Jahre ist es her, dass auf einer indonesischen Insel, weit weg, ein Vulkan namens Tambora ausbrach. Eine riesige Eruption, wie es nur ganz wenige in der Menschheitsgeschichte gab. Am 10. April 1815 wurde das Geschehen immer heftiger und intensiver: Die Asche und das Gestein wurden 40 km hoch in die Luft geschleudert, ein unheimlicher Druck herrschte im Vulkan, und nach einer guten Woche maß der Vulkanberg, der vorher etwa 4300m hoch war nur noch 2850 m. Fast alle Menschen auf der Insel sind bei diesem Vulkanausbruch ums Leben gekommen und auch in der Region gab es viele Opfer. Im Umkreis von 1300 km ging die Asche nieder. – 1300 km sind ungefähr die Entfernung von hier nach Rom und noch 2600 km weit weg – etwa die Entfernung von hier nach Moskau - waren die Explosionen zu hören.

Ohne Internet, Fernsehen und sogar Radio hätten aber die Menschen hier in Deutschland, oder besser in Europa, das wohl nie davon erfahren – wenn, ja, wenn sie nicht die Folgen so drastisch gespürt hätten. Denn mit dem Vulkanausbruch blieb es nicht nur einige Tage stockfinster in der Region, das Klima weltweit ist dadurch aus dem Gleichgewicht geraten. In Indien blieb der Monsun aus, was weder davor noch danach je passiert ist, es kam zur großen Cholera-Pandemie. Und in Europa sprach man vom Folgejahr 1816 als dem „Jahr ohne Sommer“. Zeitgenossen wie Johann Wolfgang Goethe berichten davon: Die Temperaturen kühlten ab, es regnete extrem viel, das Gemüse verfaulte, es gab weder für Mensch noch Tier Nahrung. Durch die Hungersnöte kam es zu Wanderbewegungen und Aufständen. Und das alles wegen eines Vulkanausbruchs!

Ob wir Menschen heute mit so einer Katastrophe anders umgehen würden, mit all der weltweiten Vernetzung, mit den modernen Mitteln der Kommunikation und des Transportes ? Ob weniger Menschen sterben müssten? Ob wir es schaffen würden, solidarisch untereinander zu sein, solidarisch also vor allen mit all denen, die am stärksten vom Unglück betroffen sind?

Mit dem Klimawandel haben wir als Menschheitsfamilie eine ähnliche gemeinsame Aufgabe, wenn auch eine, die anders als der Vulkanausbruch von 1815 keine Naturkatastrophe ist, sondern vor allem von uns Menschen verursacht, und eine, die nicht ganz plötzlich über uns hinein bricht, sondern schon länger vorhergesagt und beobachtet. Dadurch haben wir die Chance zu reagieren, anders als beim Ausbruch des Tambores, der im gewaltigen Ausmaß die Menschen überrascht hat.

Der Wandel des weltweiten Klimas ist berechenbarer als ein Vulkanausbruch, aber alles in allem nicht weniger gefährlich. Viele Menschen vor zweihundert Jahren meinten noch, der fehlende Sommer sei eine Strafe Gottes, die man nur aushalten muss – da denken wir heute anders.

Heute glaube ich: Gott hat uns diese Welt anvertraut, damit wir gemeinsam für sie sorgen und sie möglichst vor Katastrophen bewahren. Heute wissen wir, auch dank der Medien, dass das Schicksal der Menschen weltweit miteinander verknüpft ist und wir zusammen die Verantwortung haben für den Erhalt der Erde und der Schöpfung.

Gott sei Dank wächst auch in den Kirchen das Bewusstsein für diese Verantwortung, nicht zuletzt durch die Enzyklika „Laudato si“, durch das Schreiben, das Papst Franziskus genau zu diesem Thema geschrieben hat: der Bewahrung des gemeinsamen Erdenhauses.

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