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Zug des Lebens
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Zug des Lebens

Kurt Grützner
Ein Beitrag von

Kurt Grützner,

Landespolizeipfarrer der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, Kassel
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„Können wir mal die Plätze tauschen“, fragte mich mein Kollege. Wir saßen im Zug auf dem Weg zu einer Konferenz. Er wollte nicht rückwärtsfahren. „Wird dir schlecht, wenn du rückwärtsfährst?“ fragte ich ihn. „Nein“, antwortete er fast beleidigt „ich nehme nur mein Ziel fest in den Blick.“
Und schwups waren wir in einer fast philosophischen Unterhaltung über die Ziele im Leben und darüber, was ich zurücklasse. Denn ohne etwas zurück zu lassen kann ich keine Ziele erreichen.
In dem Moment fuhr ich, wenn auch eher zufällig, also rückwärts und versuchte, das zu rechtfertigen. Wenn ich Schlimmes zurücklasse genieße ich es, zu sehen, wie es mit jedem Kilometer immer kleiner wird. Wahr ist allerdings auch: wenn ich etwas unfreiwillig zurücklasse, bin ich traurig und die Rückfahrt wird zur Qual. Und außerdem sollen wir doch aus der Geschichte lernen, um nicht immer wieder die gleichen Fehler zu machen.

Jesus sagt denen, die ihm nachfolgen möchten: „Wer die Hand an den Pflug legt und schaut zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes.“ (LK. 9,61)
Ist es also doch richtig im Zug des Lebens nur in Fahrtrichtung zu fahren?

Ich glaube, erst einmal ist es wichtig, dass ich mir bewusst werde: Ich bin immer auf dem Weg. Eine Zugfahrt ist eine gute Gelegenheit dafür, denn ich muss nichts tun. Ich werde gefahren. Und ich kann mich entscheiden, ob ich zurück schauen will oder nach vorne. Und beides macht Sinn. Woher ich komme und was ich von dort mitbringe, kann  ich nicht rückgängig machen. Das hat mich geprägt. Ich kann mir aber bewusst machen, dass das in der Vergangenheit liegt. Es ist vorbei.

Vielleicht ist dann der richtige Zeitpunkt da, tatsächlich die Plätze zu tauschen und in Fahrtrichtung das Ziel fest ins Auge zu fassen. Jesus sagt: Es ist das Reich Gottes.
Erstaunlich, was so eine Zugfahrt für Gedanken hervorbringt. Ich werde in Zukunft genauer in mich hinein fühlen, was jetzt gerade dran ist: Lieber in Fahrtrichtung,  oder rückwärts.

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