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"Wir danken dem Betrüger"

"Wir danken dem Betrüger"

Martin Vorländer
Ein Beitrag von

Martin Vorländer,

Evangelischer Pfarrer und Theologischer Redakteur im Medienhaus Frankfurt

Schon im alten Olympia haben Sportler bei den Wettkämpfen betrogen, was das Zeug hält. Darum mussten die Athleten und die Kampfrichter zu Beginn der olympischen Spiele bei Zeus schwören, dass sie sich an die Regeln halten. Zeus war der richtige Gott dafür. Er hält ein Bündel Blitze in der Hand – das sollte abschrecken.

Das funktioniert nur bedingt – damals wie heute. Darum gab es im antiken Olympia handfeste Strafen. Wer in der Rennbahn das Startsignal nicht abgewartet hat, bekam Stockhiebe. Noch härter war öffentliches Auspeitschen. So wurde zum Beispiel ein Athlet namens Lychas bestraft. Der hatte angegeben, er sei aus der Stadt Theben. Er war aber in Wirklichkeit Spartaner, und die Stadt Sparta war zu diesem Zeitpunkt von den olympischen Spielen ausgeschlossen.

Auch hohe Geldstrafen taten weh. Und da hatten sich die Organisatoren der antiken olympischen Spiele eine nachhaltige Methode ausgedacht. Wer zum Beispiel beim Fünfkampf seine Gegner bestochen hatte, musste eine Zeus-Statue finanzieren. Den Marmor und den Künstler bezahlen, das war teuer. Die Statuen wurden am Eingang zum Stadion in Olympia aufgestellt. Der Name des Betrügers stand groß auf dem Sockel geschrieben. Eine Warnung an alle Sportler, sich an die Regeln zu halten.

Doping gab es im alten Olympia noch nicht. Aber die Idee, Betrüger zur Strafe etwas Schönes und Sinnvolles bezahlen zu lassen, finde ich zeitlos gut. Wie wäre das? Wer beim Doping erwischt wird, muss dafür zahlen, dass ein Stück brasilianischer Regenwald aufgeforstet wird. Oder eine Schule in einer Favela von Rio finanzieren – auch eine gute Buße. Und dann kann man Sockel an den olympischen Sportstätten aufstellen. Auf denen steht groß die Höhe der Strafe. Und darunter: Wir danken dem Betrüger. Die Straßenkinder von Rio.

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