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Was kann ich geben?
Bild Jeff Jacobs/Pixabay

Was kann ich geben?

Carmen Jelinek
Ein Beitrag von

Carmen Jelinek,

Evangelische Dekanin, Kirchenkreis Kaufungen
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Mein Mann und ich möchten etwas für eine gute Sache spenden. Da sind wir uns einig. Allerdings diskutieren wir darüber, wie viel Geld wir spenden? Bei uns stehen nämlich einige Anschaffungen an. „Bleibt da genug übrig, dass wir auch noch etwas abgeben können?“ Diese Frage beschäftigt uns.

Ich muss bei dieser Diskussion an eine ältere Dame denken.
Ihre Rente ist wirklich nicht besonders groß. Vor allem jetzt, nachdem ihr Mann gestorben ist. Viele Jahre lang hat sie treu bei den Konfirmationen in ihrer Gemeinde gutes Geld in die Kollekte gegeben. Diese Kollekte ist immer bestimmt für die Ausbildungshilfe junger Menschen in Asien und Afrika. Dieses Jahr wird die Konfirmation in ihrer Kirchengemeinde wegen Corona mindestens um Monate verschoben. Die Kollekte, die dabei immer für die Ausbildungshilfe junger Menschen in verschiedenen Ländern gesammelt wurde, fällt damit flach. Soll sie sich über das gesparte Geld freuen, weil es ihr schwerfällt, so großzügig zu spenden?

Doch dann wird ihr klar: Ohne Spenden kann die Ausbildung vieler junger Christen z.B. in Afrika nicht aufrechterhalten werden. Und Bildung ist so wichtig. Beherzt füllt sie am Anfang des Monats einen Überweisungsträger aus. „Ach, ich komme schon irgendwie hin damit!“, denkt sie und spendet eine Summe, die sie selbst mit ihren Ausgaben an die absolute Grenze bringt.

Natürlich hat sie noch etwas Geld übrig. Ihr Rätselheft und frisches Obst kann sie sich leisten und schließlich hat sie auch noch einen gewissen Vorrat an Lebensmitteln im Keller. Aber öfter kann sie sich solche Großzügigkeit in diesem Monat nicht leisten.
Trotzdem ist sie glücklich, dass sie sich einen Ruck gegeben hat zu dieser Spende. „Vielleicht ist das Geld nur ein Tropfen auf den heißen Stein, aber immerhin: Es dient zwei Monate als Schulgeld für einen jungen Menschen. Und wenn andere genauso denken wie ich, dann wird da noch mehr draus.

Dann können wir Einem oder vielleicht sogar mehreren jungen Leuten eine Ausbildung ermöglichen. 
Ich erzähle meinem Mann von der Frau. Ihn bringt das auch zum Nachdenken. Wenn wir am Ende des Monats spenden, was übrig ist, wird das womöglich nicht viel sein. Da sind immer noch so viele eigene Wünsche. Die Spende steht immer hintenan.

Die Rentnerin, die für die Ausbildung junger Menschen spendete, hat andere Prioritäten gesetzt. Davon möchten wir uns inspirieren lassen: Sie hat sich zuerst überlegt: „Was will ich abgeben?“ Und dann: „Wie komme ich mit dem, was noch bleibt, zurecht?“

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