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Warum das Weltall weint
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Warum das Weltall weint

Michael Becker
Ein Beitrag von

Michael Becker,

Evangelischer Pfarrer i. R., Kassel
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Heute weint das Weltall. Es ist Sternschnuppenzeit. Man sagt auch Laurentiustränen. So heißen sie, weil Laurentius geweint hat, geweint haben muss. Er wird gefoltert. So um 300 nach Christus war das. Laurentius ist Christ und eine Art Gehilfe des Papstes. Und weil Christen damals verfolgt wurden, hat man Laurentius den Schatz der Kirche anvertraut: Goldkelche fürs Abendmahl, silberne Taufschalen und Ringe des Bischofs von Rom. Das soll er verstecken für bessere Zeiten. Die Verfolger aber finden Laurentius und bedrohen ihn. Gib uns den Schatz deiner Kirche, verlangt man. Und schlägt ihn, bedroht ihn mit Feuer. Kein Wunder, dass er weint. Als es nicht mehr geht, sagt er zu seinen Verfolgern: Kommt mit mir; ich zeige euch den Schatz der Kirche. Und geht mit ihnen durch die Stadt Rom. Vorbei an schönen Häusern, durch Gärten und am Wasser entlang. Bis dahin geht er, wo nichts mehr schön ist. Zu den Armen der Stadt. Wo das Elend ist. Als sie dort ankommen mitten in der Armut, dem Hunger und Durst von Menschen, sagt Laurentius zu seinen Verfolgern: Diese hier, die Elenden und Vergessenen, sind der Schatz der Kirche

Das muss er bitter büßen. Man verbrennt Laurentius, öffentlich. Und er weint. Die Welt und das Weltall mit ihm. Bis heute. Wenn in den Nächten des August Sternschnuppen fallen, denkt man an die Laurentiustränen. Der Tapfere, der damals stirbt, weil er die Wahrheit sagt: Die Kirche ist für Arme da; die Armen sind der Schatz der Kirche. Kümmere dich um sie, Kirche; mehr als um dich. Die Kirche soll nicht reich sein, sondern reich machen.

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